Die spannende Geschichte der Hypnose

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Tempelschlaf in Aegypten (500 v.Chr.)

Es existieren Berichte darüber, dass Hypnose im Serapis-Tempel in Memphis/Aegypten und auch in den Isis-Tempeln entlang des Nils angewandt wurde.


Priester versetzten die Kranken in einen neun Tage dauernden, «magnetischen Schlaf». Im Traum erschien dem Kranken die Göttin Isis, die ihm Informationen über seine Krankheit und Tipps zur Gesundung lieferte.

Frühes Christentum

Je nach Glaubenssystem kann man die Heilungen von Jesus und seinen Zeitgenossen als «Wunder» bezeichnen oder aber als Heilung durch Suggestion und Vertrauen in das Höhere Selbst.


Die Qumran-Rollen, die 1947 am Toten Meer gefunden wurden, deuten unter anderem darauf hin, dass Jesus sich während Jahren bei den Essenern, einer kabbalistischen Vereinigung, aufgehalten hat.

Die Essener, so wird vermutet, verfügten über umfangreiches naturheilkundliches Wissen.

«Dunkles» Mittelalter


Aus dem Mittelalter ist in Sachen Hypnose wenig überliefert. Das liegt unter anderem daran, dass die «heilige» Inquisition jede erfolgreiche Heilkunst als Teufelswerk bezeichnete und vermutlich dafür sorgte, dass entsprechende Schriften verbrannt wurden.

Von Paracelsus, dem berühmten Arzt aus dem schweizerischen Einsiedeln, ist bekannt, dass er um die heilende Wirkung der positiven Suggestion wusste. Der weit gereiste Mediziner war der Überzeugung, dass der beste Arzt der «innere Arzt» sei und war mit dieser Behauptung seiner Zeit weit voraus.
Er beschrieb die von Mönchen praktizierte Fixierung einer Kristallkugel und den dadurch eintretenden tiefen Schlaf, in dem Heil-Suggestionen zum Erfolg führten.
Die Behandlung mit Hypnose empfahl er insbesondere bei Nervenkrankheiten.

Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (1493-1541)

Exorzismus (18. Jahrhundert)


Johann Joseph Gassner (1727-1779), ein Landpfarrer in einem kleinen Dorf in der Ostschweiz, litt unter häufigen Kopfschmerzen und Schwindel. Er glaubte, dass der Teufel dahinter steckte und begann, katholische Exorzismus-Rituale anzuwenden. Er war erfolgreich, wandte diese Rituale auch auf andere Menschen an und wurde ein gefragter Heiler.
Das Bild zeigt Gassner im Schloss Meersburg in Deutschland. Er treibt einen bösen Geist aus dem Körper eines Kranken (als kleiner schwarzer Drache dargestellt).

Pater Hell (18. Jahrhundert)


Etwa zur selben Zeit begann der Jesuitenpater Maximilian Hell (1720-1792) Kranke zu heilen, indem er Stahlplatten an ihre Körper legte.

Pater Maximilian Hell

(1720-1792)

Franz Anton Mesmer (1734-1815)


Im Herbst 1775 setzte der bayerische Kurfürst Max Joseph eine Kommission zur Untersuchung der exorzistischen Praktiken ein.

Unter den Mitgliedern befand sich auch Franz Anton Mesmer, der durch seinen «animalischen Magnetismus» berühmt geworden war. Er behauptete, eine ungünstige Verteilung dieses Magnetismus im menschlichen Körper bewirke alle möglichen Krankheiten, und er könne das natürliche Gleichgewicht dieses Magnetismus wieder herstellen, indem er mit seinen Händen über den Körper der Patienten streiche.

Kurfürst Max Joseph

Mesmer, am 23. Mai 1734 in Iznang am deutschen Ufer des Bodensees geboren, hatte sein Medizinstudium in Wien abgeschlossen und eine reiche ältere Frau geheiratet.

Seine Partys («Gesellschaften», wie sie damals hießen) waren sehr beliebt und wurden unter anderem auch von der Familie Mozart frequentiert. Mozarts Singspiel «Bastien und Bastienne» wurde sogar in Mesmers Garten uraufgeführt.

Geburtshaus Mesmers in

Iznang am Bodensee

Mesmers idyllisches Leben wurde arg gestört, als man ihm einen Skandal im Zusammenhang mit der Heilung einer blinden jungen Frau anhängen wollte.

Maria Theresa Paradis war die Tochter des Privatsekretärs der Kaiserin. Sie bekam von der Kaiserin eine Rente, angeblich wegen ihrer Begabung, aber vermutlich eher aus Mitleid.

Nach heutiger Erkenntnis handelte es sich um eine hysterische Blindheit (ohne organische Ursachen), eine Krankheit, die im ICD «dissoziative Wahrnehmungsstörung» genannt wird.

Mesmer wurde als Scharlatan verschrien und musste Wien im Jahre 1778 verlassen.

Franz Anton Mesmer

Mesmer zog nach Paris, wo er zusammen mit einem französischen Kollegen eine «magnetische Praxis» eröffnete.

Der Zustrom zu Mesmers Praxis in Paris war so groß, dass Mesmer zu unkonventionellen Methoden griff:

Mesmer füllte ein «baquet», einen Holzzuber, mit Wasser, Eisenspänen und Glassplittern. Der von Mesmer in den Zuber übertragene Magnetismus sollte seine Patienten heilen.

Im März 1780 setzte der französische König Ludwig XVI. eine Kommission ein, die Mesmers Heilungen untersuchen sollte. Diese befand, dass die magnetischen Phänomene auf Einbildung beruhten, zweifelte jedoch nicht an Mesmers Heilerfolgen.

Die Französische Revolution setzte Mesmers Praxis in Paris ein Ende. Er verlor sein Vermögen und zog wieder an seinen heimischen Bodensee. In einigen amerikanischen Quellen heißt es, er sei total verarmt, doch dem scheint nicht so:

Unterstützt durch eine Rente Frankreichs, lebte er ein ruhiges Leben, bis er mit 75 von einem Schweizer Arzt wiederentdeckt wurde. Eine magnetische Klinik in Berlin bot ihm eine Stelle als Direktor an, aber Mesmer verzichtete im Hinblick auf sein hohes Alter auf diese Stelle.

Das Haus, in dem er am 5. März 1815 starb, dient heute als Meersburger Weinmuseum.

Mesmers Grabstein

Das

Weinbaumuseum Meersburg

Marquis de Puységur (1751-1825)


Während es in Mesmers Praxis eher laut zu- und herging (die so genannte «magnetische Krise» bestand aus dramatischen Schüttelkrämpfen und lautem Schreien), sprach sein Schüler, der Marquis de Puységur, von einer «stillen Krise» oder «magnetischem Schlaf».


Auch hier zeigt sich aus heutiger Sicht die Kraft der Suggestion: So, wie Puységur die Krise suggerierte, so geschah sie auch.

Marquis de Puységur

(1751-1825)

Animalischer Magnetismus

im deutschsprachigen Raum


Im deutschsprachigen Raum erfuhr der «animalische Magnetismus» vor allem durch Goethes Freund, den Zürcher Pastor Johann Caspar Lavater (1741-1801), Verbreitung.

Lavater hatte den Magnetismus 1785 in Genf kennen gelernt und wandte ihn erfolgreich an seiner Frau an, die unter Migräne, Rheuma und Magenkoliken litt.

1786 wurde Lavater zum Prediger einer Bremer Gemeinde gewählt und gewann dort die Aufmerksamkeit der Ärzte Arnold Wienholt und Heinrich Wilhelm Mathias Olbers, die nach Lavaters Anweisungen erfolgreich Patienten behandelten.

Wienholt veröffentlichte seine Fälle in einem dreibändigen Werk.

Johann Caspar Lavater

(1741-1801)

Karl-Friedrich, Markgraf von Baden, schickte den Karlsruher Physikprofessor Boeckmann nach Straßburg, damit er dort die Puységursche Technik lerne.

Boeckmann gründete nach seiner Rückkehr das Archiv für Somnambulismus und Magnetismus.

Wienholts

erster Band

Karl-Friedrich,

Markgraf von Baden (1728-1811)

Eberhard Gmelin, ein Arzt aus Heilbronn, der unter anderen auch Friedrich Schiller behandelte, veröffentlichte ebenfalls einflussreiche Bücher zum animalischen Magnetismus.

Diese Bücher erregten die Aufmerksamkeit des damaligen Direktors der Charité, C.G. Selle, so dass sich auch in Berlin eine «magnetische Szene» entwickelte.

Eberhard Gmelin

(1751-1809)

Nachfolger von C.G. Selle in der Charité wurde Christoph Wilhelm Hufeland, der in seinem «Journal der praktischen Arzneykunde und Wundarztneykunst» etliche Artikel zum Thema Magnetismus veröffentlichte und dadurch vermutlich viel zur Verbreitung dieser Technik in Preußen beitrug.


Die Bücher von Carl Alexander Ferdinand Kluge (1782-1844) und Karl Christian Wolfart (1778-1832) zum Thema Magnetismus gewannen eine gewisse respektvolle Beachtung, während Mesmer fast in Vergessenheit geriet.

Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836)

Zu erwähnen ist noch der deutsche Arzt und Dichter Justinus Kerner, der als einer der wenigen Mediziner dieser Zeit auch Berichte über spirituelle und mystische Erlebnisse im Zusammenhang mit animalischem Magnetismus ernst nahm.

Kerner wurde unter anderem berühmt durch die spektakuläre Behandlung seiner Patientin Friederike Hauffe, die als «Seherin von Prevost» Berühmtheit erlangte.

Justinus Kerner (1786-1862)

Großbritannien –

vom Magnetismus zur Hypnose


Der britische Chemiker Richard Chenevix (1774-1830), der seine magnetischen Kenntnisse von Abbé Faria, einem berühmten portugiesischen Magnetiseur und Wanderpriester hatte, demonstrierte 1829 in London seine Methode vor einigen interessierten Ärzten, darunter auch John Elliotson.

Elliotson war Medizin-Professor an der London University und führte magnetische Behandlungen am University College Hospital durch.

Er veröffentlichte zahlreiche Artikel im Zusammenhang mit mesmerischer Analgesie.

John Elliotson

(1791-1868)

Führend in der praktischen Anwendung der Mesmerschen Anästhesie war James Esdaile, ein schottischer Arzt, der im Jahr 1845 als Angestellter der East India Company zum Leiter eines kleinen Krankenhauses bei Kalkutta ernannt wurde.

Er dokumentierte zahlreiche Operationen, die er mittels Mesmerscher Anästhesie durchgeführt hatte, darunter auch die Amputation von Gliedmassen.

Der Vize-Gouverneur von Bengalen ließ Esdailes Behauptungen überprüfen, und Esdailes Technik war anschließend anerkannt.

Auch nach 1846, nachdem Aether und Chloroform eingeführt waren, hielt Esdaile am Mesmerismus fest, und zwar in erster Linie aufgrund der besseren Heilungsverläufe.

Esdaile überließ allerdings in der Regel seinen Mitarbeitern das Hypnotisieren, da dies für solche Eingriffe zu lange Zeit in Anspruch nahm, und konzentrierte sich nur auf die Operationen.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich das Verständnis der Hypnose von der Idee einer «äußeren Kraft» des Hypnotiseurs auf die «innere Kraft» des Patienten zu verlagern. Einer der ersten, der den «magnetischen Schlaf» mit inneren Prozessen des Patienten erklärte, war der schottische Arzt James Braid, der in Manchester/England praktizierte.

James Braid (1795-1860)

Braid war zuerst der Ansicht, dass es sich bei der Hypnose um eine Art Schlaf handelte. Daher nannte er das Phänomen «Neurypnologie»
(= nervöser Schlaf) und später «Hypnose», abgeleitet vom griechischen Gott des Schlafes, Hypnos.
Kurz vor seinem Tod änderte Braid seine Meinung und erklärte Hypnose als «Konzentration der Aufmerksamkeit und Erhöhung der Einbildungskraft» und wollte den Begriff «Hypnose» durch «Monoideismus» ersetzen. Aber die Bezeichnung «Hypnose» hatte sich bereits fest etabliert.

Hypnos, der griechische

Gott des Schlafes

Hypnose in Frankreich

19. Jahrhundert


Die Hypnose wurde in Frankreich zunächst überwiegend mit dem Hôpital Salpêtrière in Verbindung gebracht. Die Salpêtrière war ein Nerven-Krankenhaus in Paris, das auf Veranlassung Ludwigs XIV. gebaut worden war, und das heute noch unter dem Namen Hôpital Pitié Salpêtrière als Universitäts-Hospital dient.

Jean-Martin Charcot (1825-1893), Medizin-Professor an der Pariser Universität und einer der größten Neurologen seiner Zeit, wurde 1862 an die Salpêtrière gerufen, wo er viele Jahre praktizierte, forschte und dozierte. Zu seinen Schülern gehörten zahlreiche später berühmt gewordene Neurologen wie Babinski und Gilles de la Tourette.


Charcot beim Dozieren.

Auf dem Bild sind zahlreiche
mittlerweile berühmt gewordene
Neurologen zu sehen.

Charcot konnte beweisen, dass hysterische Lähmungen (heutige Bezeichnung „dissoziative Bewegungsstörungen“) mittels Hypnose zum Verschwinden gebracht werden konnten, im Gegensatz zu organisch bedingten Lähmungen.

Obwohl es Charcots Verdienst war, dass die Hypnose als untersuchungswürdiges Phänomen ernst genommen wurde, ist seine Theorie der Hypnose falsch. Er untersuchte sie nämlich nur anhand weniger hysterischer Patientinnen, die er nie selbst hypnotisierte. Er überließ das Hypnotisieren seinen Assistenzärzten.

Die hysterischen Patientinnen übernahmen gewisse Verhaltensweisen, die sie bei den Ärzten aufgeschnappt hatten und später untereinander absprachen.

Dies brachte Charcot zu der irrigen Annahme, dass Hypnose ein krankhaftes Phänomen sei, das man nur bei Hysterikerinnen beobachten könne.

Jean-Martin Charcot

(1825-1893)

Pierre Janet, der noch unter Charcot in der Salpêtrière arbeitete, zeigte auf, dass die drei Stadien des grand hypnotisme, die Charcot annahm, nichts als beliebige Verhaltensweisen waren, die die Patientinnen von Hypnotiseuren angenommen hatten.

Er arbeitete jedoch weiter mit Hypnose und entdeckte, dass gewisse Patientinnen unter Hypnose die Erfahrung machten, jemand anderer zu sein (Multiple Persönlichkeit oder nach heutiger Bezeichnung dissoziative Identitätsstörung).

Janets Arbeiten beeinflussten nicht nur Freud und Breuer bei ihren Studien über Hysterie, sondern auch Adlers Individualpsychologie und Jungs Komplex-Theorie.

Pierre Janet

(1859-1947)

In Nancy praktizierte der bescheidene Landarzt Ambroise Liébeault. Er wandte unter anderem die Hypnose mit gutem Erfolg an, nachdem er James Braids Buch «Neurypnology» gelesen hatte.

Um nicht als Scharlatan verschrien zu werden, verlangte er jedoch für Hypnose-Behandlungen kein Geld.

Liébeault galt unter seinen Kollegen als Außenseiter. Als er im Jahr 1882 einen Patienten von seinen Ischiasbeschwerden befreite, nachdem dieser erfolglos von Hippolyte Bernheim (1837-1919), Professor am Medizinischen Institut in Nancy, behandelt worden war,  da wollte Bernheim ihn der Scharlatanerie überführen. Doch es kam anders...

Ambroise Liébeault

(1823-1904)

Professor Bernheim war so fasziniert von Liébeaults Arbeit, dass die beiden fortan zusammenarbeiteten. Die Hypnose-Schule von Nancy entstand, und Bernheims Buch über Hypnose, das  1886 erschien, wurde ein großer Erfolg.


Bernheims Theorie, wonach Hypnose ein Zustand erhöhter Suggestibilität sei, der durch Suggestionen hervorgerufen werde, schlossen sich bekannte Psychiater wie Forel und Bechterew an, und nach Charcots Tod setzte sich die Nancy-Schule endgültig durch.

Hippolyte Bernheim

(1837-1919)


Emile Coué gilt als Begründer der modernen Autosuggestion.

Als Apotheker befasste er sich eingehend mit den Schriften der Nancy-Schule und stellte fest, dass er die Wirkung eines Medikaments positiv beeinflussen konnte, wenn er zum Kunden Sätze sagte wie: «Dieses Medikament wird Sie sehr schnell gesund machen.»

Coué soll auch mit dem Placebo-Effekt experimentiert haben, indem er zum Beispiel einer Kundin ein pharmakologisch völlig wertloses Mittel gab mit dem Hinweis, es sei das beste Kopfwehmittel auf dem Markt.


Von Coué stammt die berühmte Selbst-Suggestion «Es geht mir mit jedem Tag und in jeder Hinsicht besser und besser.»

Solche Selbst-Suggestionen werden von Tiefenpsychologen oft kritisiert, weil sie eigentlich nichts anderes suggerierten, als dass es einem jetzt schlecht gehe.

Coué hat, ähnlich wie Mesmer und später Milton Erickson, Kultstatus erreicht; es gibt in vielen Ländern Coué-Gesellschaften, die sein Gedankengut verbreiten.

Emile Coué

(1857-1926)

Sigmund Freud,

«Totengräber der Hypnose»


Sigmund Freud war der Erste, der das menschliche Unterbewusstsein wissenschaftlich erforschte. Allerdings entsprach seine Vorstellung des Unterbewusstseins mehr einer trüben Suppe von unterdrückten Trieben (allen voran dem Sexual- und dem Todestrieb), wogegen die heutige Hypnose-Theorie das Unterbewusstein als «Freund» darstellt, den man nur richtig programmieren muss.

Freud hielt sich 1885-1886 bei Charcot und später auch an der Nancy-Schule auf. 1892 bekannte er sich offiziell zur Theorie der Nancy-Schule.

Über Freuds spätere Abkehr von der Hypnose wird viel spekuliert. Sicher ist, dass er dadurch die Hypnose in einen Dornröschen-Schlaf versetzte.


Sigmund Freud (1856-1939)


Die Show-Hypnose sorgt dafür,

dass Hypnose nicht vergessen wird...


Nach Sigmund Freuds Abkehr von der Hypnose geriet die Klinische Hypnose in eine Art Dornröschenschlaf. Unter anderem dem dänischen Bühnen-Hypnotiseur Carl Hansen ist es wohl zu verdanken, dass die Hypnose dennoch nicht ganz in Vergessenheit geriet. Hansens weltweite Auftritte brachten etliche Wissenschaftler dazu, das Phänomen Hypnose zu untersuchen.


Carl Hansen (1833-1897)


Forel, Vogt und Heidenhain


Die «Hansen»-Zeit zeichnete sich dadurch aus, dass das Interesse an den klinischen Möglichkeiten der Hypnose eher in den Hintergrund rückte und sich etliche Forscher vor allem der experimentellen Hypnose widmeten.

August Forel

(1848-1931)


Oskar Vogt

(1870-1959)

So auch August Forel, Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik «Burghölzli» in Zürich, und Oskar Vogt, Direktor des Instituts für Hirnforschung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die ab 1895 als Herausgeber der Zeitschrift für Hypnotismus fungierten.

Forels Buch «Der Hypnotismus oder die Suggestion und die Psychotherapie» war ein Standardwerk, das bis 1923 ganze zwölf Auflagen erfuhr und auch heute noch erhältlich ist.

Ein weiteres wichtiges Werk dieser Zeit, «Der sogenannte thierische Magnetismus», stammt aus der Feder von Rudolf Heidenhain , Professor für Physiologie an der Universität Breslau.

Rudolf Heidenhain (1834-1917)

Hypnose in Österreich


In Österreich waren es um die Jahrhundertwende vor allem zwei Figuren, die in Sachen Hypnose den Ton angaben: Richard Freiherr von Krafft-Ebing, der sich vor allem als Sexual-Pathologe einen Namen machte, und Julius Wagner-Jauregg, ein Psychiater, der 1927 den Nobelpreis erhielt für seine Entdeckung, dass Fieberanfälle bei Paralysen helfen.

Richard Freiherr von Krafft-Ebing

(1840-1902)

Wagner-Jauregg vertrat allerdings noch die alte Ansicht, dass es vor allem die suggestive Kraft der «mächtigen Therapeutenfigur» sei, die den hypnotischen Prozess steuere.

Julius Wagner-Jauregg (1857-1940)

Serapis-Tempel in Memphis/Aegypten

Hypnose in den USA

(20. Jahrhundert)


Clark Hull war einer der großen Psychologen des 20. Jahrhunderts und ein radikaler Behaviorist.

Sein Buch «Hypnosis and Suggestibility» wird allgemein als der Startschuss für die moderne Hypnose-Forschung angesehen.

Clark Leonard Hull

(1884-1952)

Während der beiden Weltkriege sowie des Korea-Krieges erlebte die Hypnose eine Renaissance aufgrund der erfolgreichen Behandlung von Shell-Shock-Opfern (posttraumatische Belastungsstörung). Zu nennen sind in diesem Zusammenhang Clark Hull und George Estabrooks.

Estabrooks war Leiter der Psychologischen Fakultät an der Colgate University und erlangte zweifelhaften Ruhm, weil er angeblich im Zweiten Weltkrieg Regierungsagenten mit Gehirnwäsche-Techniken bearbeitet und so «gegen ihren Willen» programmiert hatte.

Estabrooks schrieb zwei bedeutende Werke: «Man the Mechanical Misfit» (1941) und «Hypnotism» (1944).

George Hoben Estabrooks (1885-1973)

Autogenes Training


Johannes Heinrich Schultz, Schüler des Hirn- und Hypnoseforschers Oskar Vogt, wurde 1919 Professor an der Universität Jena und ließ sich später in Berlin als Neurologe und Psychotherapeut nieder.

Seine Rolle als Arzt während der Nazizeit ist umstritten.

Berühmt wurde Schultz durch sein 1932 erschienenes Buch „Autogenes Training“.

Johannes Heinrich Schultz (1884 - 1970)

Erickson –

Hypnose-Guru des
20. Jahrhunderts


Seit Franz Anton Mesmer rankte um keinen Hypnosetherapeuten mehr so ein Mythos wie um den amerikanischen Psychiater Milton Erickson. Das lag wohl nicht zuletzt an Jay Haley, der 1967 ein Buch über Ericksons Techniken veröffentlichte, und an Ericksons Schülern Ernest Rossi und Jeffrey Zeig, die fest entschlossen schienen, jede noch so banale Eigenschaft Ericksons auf die Genialitäts-Stufe zu heben.

Ericksons Hypnosetechniken werden im deutschsprachigen Raum vor allem mit permissiver und indirekter Suggestionsart mittels Metaphern in Verbindung gebracht. Erickson konnte jedoch durchaus auch direkt und autoritär sein, wenn er merkte, dass der Patient gut darauf ansprach.

Milton Erickson

(1901-1980)

Erickson –

ad absurdum geführt...


Einige Erickson-Jünger betreiben heute geradezu einen Kult um Milton Erickson und um das, was sie als seine Techniken zu begreifen glauben. Wer mit so einem Menschen spricht, kann nie ganz sicher sein, ob er sich in einem harmlosen Gespräch befindet, oder ob er gerade gegen seinen Willen therapiert wird.

Erickson war sicher ein sehr kreativer Therapeut, und die moderne Hypnose verdankt ihm viel. Doch das ist kein Grund, daraus einen Kult entstehen zu lassen.

Therapeuten vom Format eines Milton Erickson gibt es zu Hunderten, nur erledigen sie eben ihre Arbeit still im Hintergrund.

Vorsicht Erickson- Freaks!

Anerkennung durch Ärtzegesellschaften


1955 anerkannte die Britische Ärztegesellschaft die Hypnose als wirksame Therapie.

1958 tat die amerikanische Ärztegesellschaft es ihr gleich, und seitdem ist jede medizinische Fakultät (Medical Schoool) in den USA verpflichtet, Hypnosekurse anzubieten.

So viel zum Thema «Hypnose und Esoterik»...

Dave Elman –
autoritär und effizient


Über Dave Elman gibt es relativ wenig biographisches Material. Dennoch sind viele Hypnose-Experten der Meinung, dass er in der Geschichte der Hypnose eine wichtige Rolle spielt.

Elman war Entertainer und Radio-Moderator, bevor er sein Leben ganz dem Unterrichten von Hypnose an Ärzte und Zahnärzte widmete.

In einigen amerikanischen Quellen heißt es, Elmans Vater sei Show-Hypnotiseur gewesen. Andere Quellen erwähnen, Elmans Vater hätte eine tödliche Krankheit gehabt und sei durch einen Show-Hypnotiseur so weit von seinen Schmerzen befreit worden, dass sein Sohn Dave ihn besuchen konnte.

Dave Elmans Ansatz war, ganz im Gegensatz zu Erickson, autoritär und direkt.

Elman wörtlich: «Wer hypnotisiert werden will, muss Anweisungen befolgen können. So einfach ist das.»

Dave Elman

(1900-1967)

NLP – Bandler und Grinder


Zwei Amerikaner, der Linguist John Grinder und der Mathematiker und Psychologe Richard Bandler, studierten in den frühen 70er Jahren mehrere Therapeuten und deren Methoden eingehend: Unter anderem den amerikanischen Arzt und Hypnosetherapeuten Milton Erickson, die Familientherapeutin Virginia Satir und den Gestalttherapeuten Fritz Perls.

John Grinder

(1940-)

Ursprünglich ging es Bandler und Grinder um das sogenannte «Modelling of Excellence», das Kopieren von Spitzenleistungen. Daraus entstand jedoch ein neues, ziemlich großes Gebiet der Psychotherapie:

Das neurolinguistische Programmieren (NLP).


Richard Bandler

(1950-)

NLP – Lob und Kritik


Das Raffinierte am NLP sind eigentlich nicht einmal die Techniken; sie basieren größtenteils auf bestehenden therapeutischen Schulen. Das eigentliche Verdienst von Bandler und Grinder besteht aus der radikalen Umsetzung in sofortige Resultate und der Einstellung, die hinter der NLP-Therapie steht: Nämlich dass wir Menschen alle Ressourcen zur Verfügung haben, die wir brauchen, um uns zu ändern, und dass der Therapeut dem Kunden lediglich hilft, sich auf seiner eigenen geistigen Landkarte besser zurechtzufinden.

Etliche Experten sind jedoch der Meinung, dass NLP nur «alter Wein in neuen Schläuchen» sei und in erster Linie eine Marketing-Seifenblase. Insbesondere die diversen Süchte, die man Bandler nachsagt, sein ausschweifender Lebensstil und eine höchst seltsame Mord-Anklage, von der er 1988 möglicherweise nur dank dem maroden amerikanischen Rechtssystem freigesprochen wurde, tragen nicht gerade viel zu einem seriösen Image bei.


Milton Erickson über Bandler und Grinder: «They wanted me in a nutshell. Now they have the nutshell.» (Sinngemäß auf Deutsch: «Sie wollten ein Konzentrat von mir. Jetzt haben sie eine leere Hülle.»)

wikipedia.com:

Bericht über den mysteriösen Mordfall, in den Bandler im Jahr 1988 verwickelt war

Die heutigen Koryphäen


Für die Geschichtsbücher noch zu jung, aber dennoch erwähnenswert sind die wichtigsten zeitgenössischen Hypnose-Experten im deutschsprachigen Raum:

Werner J. Meinhold, Jg. 1944, Heilpraktiker in München,

u.a. «Das große Handbuch der Hypnose», Ariston 1980

Dirk Revenstorf, Jg. 1939, Prof. für Klinische Psychologie an der Uni Tübingen,

u.a. «Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin»

Walter Bongartz, Prof. für Psychologie an der Uni Konstanz,

u.a. «Hypnose - wie sie wirkt und wem sie hilft»

Hans-Christian Kossak, Diplompsychologe in Bochum, u.a. «Hypnose» 2004

Albrecht Schmierer, Zahnarzt und Experte für zahnärztliche Hypnose, www.hypnos.de

Lob und Kritik zu dieser Geschichte der Hypnose bitte an

Hans-Peter Zimmermann, Institut für Klinische Hypnose, CH-6301 Zug

Ausschnitte aus dem Film «Mesmer»,

1994, Regie Roger Spottiswoode,

auf DVD erhältlich!

Dabei dürfte nach heutigem Verständnis die suggestive Kraft von Mesmers Worten und die Bereitschaft seiner vorwiegend hysterischen Klientinnen, an den «Wunderheiler» Mesmer zu glauben, eine wichtige Rolle gespielt haben.

Ausschnitte aus dem Film «Mesmer»,

1994, Regie Roger Spottiswoode,

auf DVD erhältlich!

Trotz dieses Verdikts begann Mesmers Einfluss sich auszudehnen. In verschiedenen französischen Städten wurden so genannte «Sociétés de l‘Harmonie» gegründet, die Mesmers Methoden propagierten.