Gesundheitsstrukturreformen und neuer Gesundheitsmarkt:Der Arzt als Berater und Dienstleistender, der Patient als Kunde?oder 10 Thesen für die Entwicklung einer der Zukunft angepassten Praxis- und Marketing-Strategie
von *Peter Holz, Dipl.-Päd., Leitung Marketing AMS GmbH |
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1.0 Zeitgeist - Gesundheitsstrukturreformen - PatientenwegeSeit Jahren lassen sich zwei gegenläufige Trends feststellen: Zum einen ein zunehmendes Unbehagen gegenüber einer "Drehtürmedizin", die den Befund ernst nimmt, nicht aber das Befinden des Patienten. Krankheiten werden behandelt aber nicht geheilt! Wissenschaftliche Untersuchungen über "Patientenwege" vom klassischen Schulmediziner zum Arzt für Naturheilverfahren bzw. Ganzheitsmedizin zeigen:
Den kurz beschriebenen Trends stehen andererseits Gesundheitsstrukturreformen gegenüber, die dem Bedürfnis des Patienten nach "heilen anstelle von behandeln" wenig gerecht werden. Es ist ein Problem der Ärzte / Naturheilverfahren, dass sie einerseits hervorragende Therapeuten sind. Andererseits aber meist schlechte Betriebswirtschaftler und noch schlechtere Marketing-Experten sind. Unter dem Druck des Praxisalltags bleibt kaum Zeit, die veränderten Gegebenheiten des Gesundheitssystems im Hinblick auf die eigene Praxis zu analysieren, um eine der Zukunft angepasste Praxisstrategie entwickeln zu können. Was vielmehr bleibt ist eine permanente berufliche Unzufriedenheit; mit dem Wissen, dass es in Zeiten knapper Ressourcen zwangsläufig zu weiteren Strukturveränderungen im Gesundheitswesen kommen wird, die zu einem sukzessiven Abbau des kassenfinanzierten Leistungsangebots führen.
2.0. Paradigmenwechsel in der Medizin: "Aufgeklärter Patient" und "Gesundheitsmarkt"In der Medizin finden derzeit Paradigmenwechsel statt! Eine vom Emnid-Institut (1997) durchgeführte Studie zu den individuellen Gesundheitsleistungen bestätigte die Notwendigkeit der Etablierung eines Gesundheitsmarktes außerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung.
Wie können festhalten: Außerhalb des Monopolanspruchs gesetzlicher Krankenkassen wird sich ein zweiter und vollkommen neuer Gesundheitsmarkt etablieren. (Vgl. hierzu auch z.B. die "virtuelle Apotheke" oder der "Internet-Doc".) Experten bescheinigen diesem neuen "Gesundheits-Markt" eine ungebremste Zukunft. Nach Dampfmaschine, Stahl und Eisenbahn, Elektrotechnik und Chemie, Petrochemie und Autoindustrie sowie der Informationstechnik wird "alles, was der Gesundheit dient", boomen und für einen weiteren Zyklus der Wirtschaftsgeschichte bestimmend sein. (Vgl. hierzu Medizin i. w. S. und Internet.) Diese Gesundheitsmarkt-Entwicklung - verbunden mit dem notwendigen "Markt-Denken" und "Markt-Handeln" - mag für den einen oder anderen Arzt / Naturheilverfahren schwierig sein, seiner inneren Überzeugung widersprechen. Verstärkt wird diese Entwicklung hin zu einem neuen, zweiten Gesundheitsmarkt durch die Gesundheitsstrukturreformen einerseits und den "aufgeklärten Patienten" anderseits.
2.1 Gesundheitsstrukturreformen: Welche Schlussfolgerungen können wir ziehen?Aus den Gesundheitsstrukturreformen können wir folgende Schlussfolgerungen ziehen: 2.1.1 Die Praxiseinkünfte werden sich zukünftig gliedern in:
2.1.2 In Zukunft wird sich die Gesundheitsversorgung in drei Bereich aufgliedern:
2.2 Der "aufgeklärte Patient": Seine Bedürfnisse und Erwartungen an den neuen Gesundheitsmarkt und an den Arzt / NaturheilverfahrenGerade für den Arzt / Naturheilverfahren bieten sich aufgrund seiner fachlichen Qualifikation (Fort- und Weiterbildung) in Verbindung mit den Bedürfnissen "aufgeklärter Patienten" beste Entwicklungsmöglichkeiten gegenüber dem klassischen "Schulmediziner". Der "aufgeklärte Patient" weiß - wenn auch oftmals sehr diffus - um Begriffe wie: "Immunschwäche", "Schwermetallbelastungen", "Umweltgifte". Der "aufgeklärte Patient" ist prinzipiell aufgeschlossen gegenüber einer: Der "aufgeklärte Patient" will aber auch von "seinem Arzt" aufgeklärt werden über das, was mit ihm therapeutische "veranstaltet" wird! Er sucht das Gespräch; will mit "seinem Arzt" sprechen! Er will aufgeklärt, er will beraten werden! Mit Interesse lässt sich beobachten, dass gerade der klassische Schulmediziner offen ist für angepasste Praxisstrategien des "neuen Gesundheitsmarktes" (Präventions- und Gesundheitsleistungen / Selbstzahlerleistung": z.B. Angebote über verschiedenste Sauerstoffbehandlungen, Colonhydrotherapie, Lasertherapie etc.).
Der Arzt / Naturheilverfahren macht es sich dagegen bedeutend schwerer! Denn die meisten gehen von dem Grundsatz aus, dass diese Zusatzleistungen dem Patienten gegenüber ethisch und moralisch vertretbar sein müssen und dem Patienten auch den gewünschten präventiven oder therapeutischen Nutzen bringen müssen. Nicht zu vergessen ist, dass hinter seiner erworbenen Zusatz-Qualifikation "für Naturheilverfahren" nicht nur eine innere Überzeugung steht - im Sinne von "Wahrhaftigkeit" und "Authentizität" - sondern auch ein großer zeitlicher und finanzieller Aufwand sowie persönliche Entbehrungen verbunden sind.
Trotzdem oder gerade deshalb wage ich die Hypothese zu formulieren: "Unternehmerisches Denken und Handeln" einerseits und die "ethisch-moralischen Wertvorstellungen und Leitbilder" eines Arztes / Naturheilverfahren andererseits müssen sich nicht widersprechen, solange der Patient im Mittelpunkt seiner marktstrategischen Überlegungen, seiner neuen Praxiskonzeption steht. Die erworbene Zusatzqualifikation und die innere Einstellung sind die entscheidenden Grundlagen / "Eckpfeiler" für eine wirtschaftlich gesunde Praxis, erfolgreiche Marketingstrategie, Praxisneuprofilierung. So betrachtet verfügt der Arzt für Naturheilverfahren gegenüber dem "Wendehals-Mediziner" über beste Voraussetzungen, um auf dem neuen "Gesundheitsmarkt" bestehen zu können.
2.3 Der neue Gesundheitsmarkt bewirkt einen elementaren Umbruch des Arzt-Patienten-Verhältnisses: Der Patient wird zum Kunden! Der Arzt zum Unternehmer!Will der Arzt / Naturheilverfahren auf dem neuen Gesundheitsmarkt bestehen und den Erwartungen, Bedürfnissen des aufgeklärten Patienten entsprechen, muss er einer Vielzahl von Anforderungen gerecht werden. Es muss ihm allerdings eindeutig bewusst sein, dass er sich auf einen freien Markt begibt und der Patient zum Kunden wird. Ich will dies exemplarisch an der erforderlichen Praxisprofilierung, der zu leistenden Profilarbeit deutlich machen: Die Profilierung der bestehenden Praxis setzt einen ehrlichen Umgang mit den eigenen Stärken und Schwächen voraus. Jede Stärke, die ins Feld geführt werden kann, gibt der Praxis die notwendige Unverwechselbarkeit gegenüber "Mitbewerbern". Entscheidend ist, dass Fähigkeiten genutzt werden, die vom Patienten erwartet, nachgefragt, gefordert, geschätzt werden (z. B. das Beratungsgespräch). Potenziell neue Leistungsangebote sind vor dem Hintergrund von eigenen Fähigkeiten / Stärken und der Patienten-Nachfrage zu bewerten. Dabei steht für den Patienten das Kriterium "des sich gut behandelt Fühlens" ganz oben an. Profilarbeit kann sicherlich nicht mit "Gemischtwarenladen" gleichgesetzt werden. Weniger ist hier manchmal mehr! Unabdingbare Besonderheiten der Praxisprofilierung im Sinne von Einzigartigkeit des Leistungsangebotes / Leistungsspektrums richten sich nach:
Um eine Praxisprofilierung erfolgreich "durchziehen" zu können, bedarf es eines langen Atems. Vor allem ist Überzeugungsarbeit nach Innen und Außen gefordert! Neue Leistungsangebote bedürfen Vertrauen, Überzeugung und Erklärung(en) gegenüber dem aufgeklärten Patienten. Es ist das Recht des Patienten, auf das "Warum" und "Wie" - einschließlich alternativer Behandlungsmöglichkeiten - fachlich qualifizierte und trotzdem verständliche Antworten zu erhalten. Denn immerhin geht es um eine Selbstzahlerleistung. Denken Sie daran: Insbesondere Patienten, die ihre eigene Gesundheitsvorsorge ernst nehmen, setzen auf Ihre Dienstleistungsfähigkeit als beratender Arzt. Ihr Hauptprodukt ist damit die individuelle Beratungsleistung. Kunden kaufen keine Produkte und Dienstleistungen. Sie kaufen Erwartungen. Ihre Fähigkeit als Therapeut, diese Erwartungen zu erfüllen und sie dann zu übertreffen, ist der wahre Grund, weshalb Patienten zu Ihnen zurückkehren, Sie weiterempfehlen. Selbstbeobachtung ist hier nützlich. Fragen Sie sich einmal selbst: Wie fühle ich mich, wenn ich ignoriert oder nicht ernst genommen werde? Und denken Sie vor allem daran: Viel schneller als Sie denken können. Hinter einem unzufriedenen Patienten, von dem Sie hören, verbirgt sich eine Dunkelziffer von weitern 26 unzufriedenen Patienten. Jeder dieser 26 anderen unzufriedenen Patienten wird durchschnittlich 22 Personen das Problem seiner Unzufriedenheit mitteilen. 13 % davon werden es weiteren mehr als 22 Personen mitteilen.
3.0 Grundlagen für ein verändertes Praxiskonzept - Entwicklung einer Praxisstrategie und eines MarketingkonzeptesDie Grundlagen für ein verändertes, erfolgreiches Praxiskonzept liegen bei Ihnen selbst. Bevor Sie also überhaupt daran gehen, irgend eine neue Praxisstrategie zu planen, sollten Sie sich selbst nachfolgende Fragen stellen und so ehrlich, wie möglich beantworten (vgl. hierzu Unternehmensgründer). Analysen von gescheiterten Unternehmensgründern zeigen, dass oftmals das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Soll heißen, am Anfang steht nicht das Gespräch mit dem Steuerberater und / oder der Bank, sondern vielmehr mit sich selbst und der Familie.
3.1 Frage-Raster für die Entwicklung einer Praxisstrategie
Fragen an die bestehende und zukünftige Patientenstruktur sind von elementarer Bedeutung! Denken Sie daran, der zukünftige "Gesundheitsmarkt" funktioniert auf der Basis von Angebot und Nachfrage. D. h.: Sie können grundsätzlich eine Nachfrage über ein entsprechendes Angebot befriedigen. Oder sie können über ein bestimmtes Angebot eine Nachfrage erzeugen. Letzteres ist sicherlich schwieriger. Patientenbindung und Patientengewinnung bedeuten erst mal ein Mehr-Engagement!
Beispiele für neue, ergänzende Leistungsangebote können sein:
3.2 Entwicklung einer Geschäftsidee:Auf der Basis all dieser ehrlichen Antworten / Daten lässt sich ein der Zukunft angepasstes Praxiskonzept erarbeiten. Wenn Sie von Ihrem neuen Praxiskonzept überzeugt sind, entwickeln Sie einen Stufenplan zur praktischen Umsetzung. Praxiskonzept und Stufenplan besprechen Sie mit Ihrem Steuerberater; insbesondere dann, wenn Ihr neues Praxiskonzept u. U. steuerrechtliche Fragen tangiert (z.B. Gründung eines Gesundheitsinstitutes mit dem Ziel professioneller Beratung einschließlich Verkauf). Oder zusätzliche Investitionen bzw. Kosten in größerem Umfang notwendig sind bzw. anfallen (Medizintechnik, Räumlichkeiten, Personal, Schulung).
Abschließend 10 Thesen für die Arzt-/Naturheilpraxis der Zukunft
1. These: Das Arzt-Patienten-Verhältnis ist im Umbruch. 2. These: Kompetenz vermitteln und Vertrauen schaffen 3. Das Arzt-Patienten-Gespräch - Der Kernpunkt Ihrer 4. These: Wer sagt, alle Patienten sind gleich, hat 5. These: Sie können nur so gut sein wie Ihre beste 6. These: Als Arzt sind Sie eine Führungsperson! 7. These: Glaubwürdigkeit, Begeisterung, Lächeln und 8. These: Ihr stärkster Marketing-Mitarbeiter ist Ihr 9. These: Denken Sie daran: Die Mundpropaganda von 10. Es lohnt sich, mit Patienten und Praxismitarbeitern Führungskompetenz = Kommunikative Kompetenz
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