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Hypnotische Sprachmuster, und wie sie funktionieren...
Sind Sie einverstanden, wenn ich Sie soweit wie möglich vor linguistischen Fachbegriffen verschone und Ihnen einfach für jedes Sprachmuster ein paar Beispiele liefere. Die meisten Beispiele bedürfen keiner näheren Erläuterung, und Sie werden sofort verstehen, worum es geht (Uuuups, haben Sie die Suggestion mitbekommen?)
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Der eingebettete Befehl
«Ich würde es nie wagen, Ihnen einen Befehl zu erteilen. Und schon gar nicht: 'Behalten Sie dieses Buch in der Hand, bis Sie es zu Ende gelesen haben!'»
«...und vielleicht haben Sie schon einmal zu sich selbst gesagt: 'Augen schließen ist nicht unbedingt nötig, aber es hilft beim Entspannen!'»
Haben Sie gemerkt, was da geschieht? Im ersten Beispiel ist der Befehl sogar ganz klar ausgesprochen, und der Empfänger hat das Gefühl, der Sender habe keine manipulativen Absichten. Das Problem ist nur: Unser Unterbewusstsein kann keine Verneinungen direkt verarbeiten. Beweis gefällig?
Denken Sie bitte jetzt an irgend etwas, nur nicht an einen rosaroten Elefanten!
Bitte jetzt nicht an einen rosaroten Elefanten denken.
Ich habe gesagt, kein rosaroter Elefant jetzt!
Na, hat's klick gemacht? Sie haben recht: Damit Sie sich vorstellen können, was Sie sich nicht vorstellen sollen, müssen Sie es sich zuerst einmal vorstellen. Dieses Prinzip macht man sich zunutze und bettet einen Befehl so ein, dass das Bewusstsein keinen Widerstand leistet und der Befehl ungefiltert ans Unterbewusstsein gelangen kann.
Das zweite Beispiel wirkt als eingebetteter Befehl aufgrund der Betonung. Das bereits etwas eingelullte Bewusstsein kann keine Manipulation feststellen, und das Unterbewusstsein hört nur 'Augen schließen' und 'Entspannen'.
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Wohlverstanden, in einem therapeutischen Zusammenhang ist das durchaus wünschenswert. Ja, der Klient bittet ja förmlich darum, dass der Therapeut alles tut, was in seiner Macht steht, um ihn genau dorthin zu bringen, wo er (der Klient) hin möchte. |
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Anders sieht es jedoch aus, wenn ein Süßgetränke-Hersteller (nennen wir ihn Seppi-Cola) einen Fußball-Star anheuern würde, der in einer TV-Werbung die folgenden Worte von sich gäbe:
«Ich bezeichne mich als selbstbewussten Menschen. Und ich schätze es überhaupt nicht, wenn jemand beispielsweise zu mir sagt 'Trink Seppi-Cola, das erfrischt!'»
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Oder nehmen Sie den Fall eines geistesgestörten Politikers, der etwas gegen Bartträger hat und eine Rede folgendermaßen beginnt:
«Liebe Landsleute, als ich zum ersten Mal den Satz hörte 'Bartträger sind Anarchisten', traute ich meinen Ohren nicht.»
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Haben Sie die eingebetteten Befehle und Suggestionen erkannt?
Wenn Sie das bereits hoch spannend finden, warten Sie's ab! Das ist ja erst der Anfang...
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Das Ja-Set
«Wer von Ihnen legt Wert auf persönliche Freiheit?
Wer von Ihnen ist der festen Überzeugung, dass jeder Mensch das Recht hat, glücklich zu sein?
Wer von Ihnen ist fest entschlossen, sein Leben nicht von jemand anderem bestimmen zu lassen, und schon gar nicht von einer fremden Macht?
Wer von Ihnen ist jetzt bereit, seine Werte zu verteidigen und sich freiwillig zu unserer Armee zu melden?»
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Sie haben es sicher gemerkt: Hier geht's um Polit-Propaganda. Diesmal hat der geistig leicht angeknackste Redner das Ja-Set verwendet, um seine Zuhörer einzuwickeln. Und das geht so:
Es werden Fragen gestellt oder Statements abgegeben, zu denen die Mehrzahl der Zuhörer mit Leichtigkeit ja sagen kann. Je mehr Ja's der Redner sammeln kann, desto größer ist die Chance, dass er am Ende das große Ja bekommt. |
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Die ersten drei Ja's in unserem Beispiel machen noch Sinn, nicht wahr? Das letzte ist jedoch völlig unlogisch. Die Angehörigen der Armee sind weder frei noch glücklich. Und ihr Leben wird zum größten Teil von den Vorgesetzten bestimmt. Das logische Filter, das diese Ungereimtheit entdecken könnte, ist jedoch bei vielen Zuhörern nicht mehr intakt, denn nach den ersten drei Ja's tritt eine Art automatische Reaktion ein. Man hat schon so oft ja gesagt, dass es ein Leichtes ist, noch einmal ja zu sagen. Und schließlich klingt das alles ziemlich logisch, nicht wahr? (Uuuups, schon wieder ein ja gesammelt...) |
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Machen wir zwischendurch einen Abstecher ins ethische Sauberland. In der Therapie würde man das Ja-Set beispielsweise so verwenden:
«Du spürst den Kontakt, den deine Füße mit dem Boden haben, du hörst das leise Summen der Klimaanlage und die Stimmen der Menschen draußen vor der Tür, du kannst die Gedanken beobachten, die kommen und gehen... und all dies bedeutet, du kannst jetzt mit mir in eine tiefe, tiefe Trance gehen.»
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Schauen Sie nochmals genau hin! Sie spüren den Kontakt, den Ihre Füße mit dem Boden haben (ja, das stimmt). Sie hören das leise Summen der Klimaanlage (ja, das stimmt). Sie hören die Stimmen der Menschen draußen vor der Tür (ja, das stimmt). Sie können (wenn Sie wollen) die Gedanken beobachten, die kommen und gehen (ja, das stimmt).
Bedeutet das tatsächlich, dass Sie jetzt mit mir in eine tiefe Trance gehen können? Nein, natürlich nicht! Aber wenn Sie so einen Satz in einem therapeutischen Kontext äußern, werden Sie an Ihrem Klienten deutliche Zeichen der Trance feststellen können. |
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Nehmen wir ein moralisch weniger sauberes Beispiel aus der Verkaufspsychologie: Ein Verkäufer, der bewusst oder unbewusst mit hypnotischen Methoden arbeitet, sagt zum Kunden:
«Sehe ich das richtig: Sie möchten für diese Anlage nicht zu viel bezahlen?»
Kunde: «Ja, das sehen Sie richtig.»
Verkäufer: «Und Sie möchten hundertprozentig sicher sein, das Richtige zu kaufen?»
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Kunde: «Ja, auch das ist richtig.»
Verkäufer: «Und gehe ich recht in der Annahme, dass eine gute Förderleistung und eine solide Garantie für Sie mindestens zehn Mal wichtiger ist als ein Dumping-Preis?»
Kunde (zuerst leicht zögernd, dann zustimmend): «Ja, das kann man so sagen.»
Verkäufer: «Gut, dann ist die Anlage XY für Sie. Wann bräuchten Sie sie denn aller spätestens?»
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Preisfrage: Warum hat der Kunde wohl kurz gezögert bei seiner letzten Antwort? Lösung: Vermutlich weil er gemerkt hat, dass etwas mit ihm geschieht. Aber die Frage des Verkäufers war für ihn zu kompliziert, als dass er sie in dieser kurzen Zeit hätte analysieren können.
Der Verkäufer hat dann gleich mit einer Präsupposition nachgehakt, und damit sind wir beim nächsten hypnotischen Sprachmuster...
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Die Präsupposition
Präsupposition bedeutet so viel wie Vor-Annahme oder Implikation , und wenn Sie die folgenden Beispiele lesen, werden Sie sofort spüren, worum es hier geht:
«Möglicherweise haben Sie den Spitzenverkäufer in sich drin noch nicht entdeckt.»
Hier präsupponiere ich, dass in Ihnen drin ein Spitzenverkäufer steckt. Wenn ich einfach so zu Ihnen sagen würde
«Sie sind ein Spitzenverkäufer»
würden einige Leser mit Widerstand reagieren und sagen «Ich bin ganz sicher kein Verkäufer-Typ!»
Also tue ich so, als ob ich Ihnen alle Möglichkeiten offen ließe, und Sie merken vermutlich gar nicht, dass ich Ihnen suggeriere, Sie seien ein Spitzenverkäufer. Dieses Prinzip mache ich mir an meinem Verkaufs-Seminar zunutze, und ich gehe davon aus, dass ich damit den Spitzenverkäufer in jedem einzelnen Teilnehmer wecken kann (Uuuups, schon wieder eine Präsupposition).
Wenn der Verkäufer im obigen Abschnitt seinen Kunden fragt, bis wann er denn die Anlage spätestens brauche, dann präsupponiert er, dass der Verkäufer die Anlage tatsächlich kaufen will.
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Unser colaverkaufender Fußball-Star könnte beispielsweise die folgende Präsupposition einfließen lassen:
«Deshalb überlasse ich es völlig Ihnen, wann Sie uns heute anrufen wollen, um Ihre Gratis-Probesendung zu bestellen und sich selbst zu überzeugen, dass nichts so sehr erfrischt wie Seppi-Cola.»
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Haben Sie die Präsupposition erkannt? Richtig, es waren gleich zwei. Unser Star präsupponiert erstens, dass Sie anrufen werden, und zwar heute noch, und zweitens, dass nichts so sehr erfrischt wie sein Süßgetränk.
Milton Erickson soll einmal in einem Anflug von köstlicher Selbst-Ironie das folgende Bonmot geprägt haben:
«Meine Patienten sollen völlig frei sein, auf welche Weise sie genau das tun wollen, was ich von ihnen verlange.»
Dieser Ausspruch zeigt haargenau, worum es bei der Präsupposition geht: Ihr Bewusstsein denkt, es ist völlig frei zu entscheiden, während Ihr Unterbewusstsein keine Wahl hat, sondern das tun muss, was verlangt wird. Und wenn der Rapport stimmt und keine ethischen Regeln verletzt werden, wird es das auch fein säuberlich tun.
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Kehren wir noch einmal zurück zu unserem fiktiven Anti-Bart-Politiker. Bei ihm könnte sich eine Präsupposition etwa so anhören:
«Und ich weiß nicht, meine Damen und Herren, ob Sie zuerst genügend eigene Beispiele gesammelt haben müssen oder ob Sie jetzt schon überzeugt sind, dass 99 Prozent aller Bartträger Anarchisten sind.»
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Wenn Sie übrigens denken, dieses Beispiel sei weit her geholt, dann darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass da mal einer war, der ein ganzes Volk in Hypnose versetzt hat, um ihnen beizubringen, dass Menschen, die einen Gott namens Jahwe anbeten und Grünbaum oder Feuerstein heißen, Schuld an sämtlichen Miseren dieser Welt seien!
Übrigens... in diesem Abschnitt war schon ein weiteres Sprachmuster versteckt. Haben Sie es erkannt? Hier kommt's...
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Gedankenlesen
«Möchten Sie mehr Zeit für sich haben? Sie haben recht. Wer möchte das nicht!»
In diesem Satz steckt das Prinzip des Gedankenlesens. Wenn ich zu Ihnen sage «Sie haben recht», dann tue ich dies, weil ich annehme, dass die meisten Menschen auf die Frage, ob sie mehr Zeit für sich haben möchten, mit ja antworten. Milton Erickson sagt, so ein Satz verstärke den Rapport. Das Unterbewusstsein spüre «da ist jemand, der weiß, was ich denke» und fühle sich verstanden.
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Unser Bart-Politiker würde dieses Prinzip vielleicht wie folgt ausnützen:
«Meine Damen und Herren, liebe Landsleute, Sie fragen sich jetzt sicher 'Wie kommt er da drauf?' Ich bin sehr froh, dass Sie das fragen, denn ich habe genau so ungläubig den Kopf geschüttelt wie Sie, als ich zum ersten Mal mit den harten Tatsachen konfrontiert wurde.»
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Haaaalt, stop! Unser Politiker überbordet mal wieder! Haben Sie die Muster erkannt? «Sie fragen sich jetzt sicher» ist Gedankenlesen in Reinkultur. «Ich bin sehr froh, dass Sie das fragen» gibt gleich noch einen drauf. «Ungläubig den Kopf schütteln» ist der dritte Gedanke, den der Massen-Hypnotiseur auf wundersame Weise erraten hat. Und dann folgt eine ganz perfide Präsupposition, nämlich diejenige, dass das, was er jetzt gleich erzählen wird, «harte Tatsachen» sind.
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In wirksamen Werbetexten werden Sie dieses Sprachmuster sehr oft antreffen. Da kann es zum Beispiel heißen:
«Jetzt fragen Sie sich sicher, ob so etwas nicht sündhaft teuer ist. Wir haben eine Überraschung für Sie...»
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Und schließlich noch der therapeutische Kontext. Einfache Gedankenlese-Muster klingen dort etwa so:
«Dein Bewusstsein fragt sich jetzt möglicherweise, ob du es schaffen wirst, diese neuen Erkenntnisse in Resultate umzusetzen.»
Wenn man diesen Satz in andere hypnotische Sprachmuster einbettet, kommt zum Beispiel diese sehr wirksame therapeutische Suggestion zustande:
«Und während sich dein Bewusstsein fragen mag, ob du diese neuen Erkenntnisse in Resultate umsetzen kannst, ist dein Unterbewusstsein bereits dabei, alle kleineren und größeren Veränderungen vorzunehmen, die nötig sind, um dich genau dorthin zu bringen, wo du hin willst. Ja, genau dorthin.»
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Haben Sie verstanden, worum es hier geht? Gut! (Uuuups, schon wieder Gedanken gelesen)
Übrigens... wäre es Ihnen eventuell möglich, den nächsten Abschnitt jetzt gleich zu lesen? |
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Konversationelle Postulate
Der letzte Satz des letzten Abschnitts war bereits ein konversationelles Postulat. Anstatt Ihnen zu befehlen
«Lesen Sie den nächsten Abschnitt jetzt gleich»,
bette ich meine Aufforderung in eine «harmlose» Frage, eben ein konversationelles Postulat, ein und sage:
«Übrigens... wäre es Ihnen eventuell möglich, den nächsten Abschnitt jetzt gleich zu lesen?»
Weitere Beispiele gefällig?
«Wäre es Ihnen möglich, das Fenster zu öffnen?»
Zugegeben, wenn Sie diese Frage einem pubertären Naseweis stellen, wird er sagen «ja, es wäre mir möglich» und sich nicht von der Stelle rühren. Die Mehrheit der «normalen» Erwachsenen jedoch wird diese Frage als Befehl auffassen und ihn gehorsam ausführen.
Damit will ich um Gottes willen nichts gegen solche höflichen Floskeln gesagt haben, und es ist auch völlig in Ordnung, jemanden auf diese Weise um einen Gefallen zu bitten.
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In der Therapie verwenden wir konversationelle Postulate zum Beispiel so:
«Du brauchst dich jetzt nicht mehr zu bewegen»
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«Ich frage mich, ob du dich erinnern kannst an den Moment, kurz bevor du heute morgen aufgewacht bist.»
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Im ersten Beispiel ist ganz klar der Befehl versteckt:
«Nicht mehr bewegen!»
Im zweiten Beispiel fordert der Therapeut dazu auf, sich zu erinnern an den Moment kurz vor dem Aufwachen. Das ist natürlicher Weise ein ziemlich schläfriger und unbewusster Zustand, und wenn der Klient aufgefordert wird, daran zu denken, wird er automatisch in Trance gehen.
Natürlich kann man die Wirkung eines Sprachmusters noch erhöhen, wenn man es mit anderen hypnotischen Formulierungen verbindet. Zum Beispiel so:
«Du brauchst dich jetzt nicht mehr zu bewegen (konversationelles Postulat), nur so viel, wie es nötig ist, um dich... genau... (Gedankenlesen) dorthin zu bringen, wo dein Unterbewusstsein sagt (Gedankenlesen), dass du hin sollst, um mit dieser Sitzung genau das zu erreichen, was du willst... immer schon erreichen wolltest (Gedankenlesen), und immer schon wusstest, dass du es verdient hast (Gedankenlesen), tief, tief und noch tiefer (eingebetteter Befehl und Ambiguität) in dir drin. So ist's richtig (Gedankenlesen). Und, nicht wahr (Rhetorische Frage), du weißt ja... (Satzfragment und Gedankenlesen), wie es ist,... (Satzfragment) so ist's richtig... (Gedankenlesen), tiefer sinken... (Satzfragment), träumen... (Satzfragment), schweben... (Satzfragment) und all das neue Verstehen (Nominalisierung), all das neue Lernen (Nominalisierung) tief, tief eindringen lassen. Und ganz einfach... gaaaanz einfach..., während du tiefer sinkst, (implizierter Kausativ) all dies zu sehen...(fehlender Referenzindex) und zu hören... und zu spüren (Wiederholung). So ist's gut (Gedankenlesen)!»
Ja ja, ich weiß schon: Ich habe Sie ganz schön gefordert. Ich werde Ihnen gleich erklären, was Nominalisierungen und Satzfragmente und fehlende Referenz-Indices sind. Immer schön eins nach dem anderen, ja?
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Zuerst wollen wir unserem NLP-Hobbyverkäufer nochmals einen Besuch abstatten. Er würde ein konversationelles Postulat beispielsweise so verwenden:
«Herr Kunde, wäre es Ihnen denn möglich, heute schon zu bestellen, damit wir Ihnen den gewünschten Rabatt gewähren könnten?»
Wenn der Kunde hier mit «ja» quittiert, hat er zwar nur ja gesagt zur Möglichkeit, heute schon zu bestellen. Der Hochdruck-Verkäufer wird dies jedoch als ein Ja zum ganzen Geschäft deuten und den Verkauf als abgeschlossen betrachten.
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Und schließlich, bevor wir weitermachen, unser Politiker, der die Bartträger am liebsten vergasen möchte. Er wird konversationelle Postulate wie folgt in seine Rede einbauen:
«Ich habe gehört, was meine politischen Gegner von mir fordern: Sie wollen Beweise sehen für meine Behauptungen. Sie wollen objektive Gründe hören für meine Beschuldigungen. Aber ich frage Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren: Brauchen wir Beweise, um unsere Freiheit zu verteidigen? Brauchen wir Gründe, um Recht und Ordnung in diesem unserem Lande aufrecht zu erhalten? Oder hat ein Gefühl auch noch seine Daseinsberechtigung in einem Rechtsstaat wie dem unsrigen?»
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Das ist natürlich alles absoluter Hafenkäse, da haben Sie völlig recht. Und ich gebe zu, dass ich der Illustration halber ein wenig übertrieben habe. Sie finden nein? Das haben aber Sie gesagt!
Aber Spaß beiseite. Was der Politiker unserem Unterbewusstsein mit diesen scheinbar nichts sagenden Phrasen unterjubeln will, ist folgende Botschaft:
«Vergiss das Denken und glaube, was ich dir sage!»
Mein Vorschlag: Wenn Ihnen gelegentlich mal eine Hitler-Rede begegnen sollte, untersuchen Sie sie doch einmal auf hypnotische Sprachmuster. Sie werden überrascht und gleichzeitig beeindruckt sein, was ein einzelner Mensch durch Missbrauch von Sprache anrichten kann!
Wenn Sie sich vor sprachlicher Manipulation schützen wollen, hier ist mein Tipp: Egal ob es sich um einen Politiker, einen Hochdruck-Verkäufer oder gar um einen Stammtisch-Kollegen handelt: Immer dann, wenn Sie versucht sind zu sagen «Keine Ahnung, was er gesagt hat, aber es macht irgendwie Sinn», sollten Sie nochmals genau hin schauen und hin hören. Die Chance ist sehr groß, dass dieser Mensch Sie, bewusst oder unbewusst, mit hypnotischen Sprachmustern bezirzt hat.
Und jetzt sind Sie sicher bereit für den nächsten Abschnitt. Oder?
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Rhetorische Fragen
Jawohl, das «oder» im letzten Absatz war eine rhetorische Frage. Auch sie sorgt dafür, dass der Hörer innerlich ein kleines «Ja» abgibt. Zusätzlich sorgen Sie dafür, dass er das ganze Informations-Paket, das Sie ihm kurz davor aufgetischt haben, praktisch in einem Aufwisch gutheißt und als Tatsache abhakt. Spannend, gell? (Uuups, rhetorische Frage...)
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Hier sind ein paar Beispiele aus Werbung und Verkauf:
«150 Mark pro Monat für Ihre natürliche Schönheit haben in jedem Haushalt-Budget Platz. Finden Sie nicht auch?»
«Als selbstbewusste Frau lassen Sie sich nicht gerne vorschreiben, was Sie kaufen sollen. Hab' ich recht?»
«Auch junge Haut braucht Pflege. Stimmt's?»
«Sagen Sie selbst: Ist das nicht halb geschenkt?»
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Sie haben es sicher gemerkt: Eine rhetorische Frage ist eine Frage, auf die es praktisch nur eine mögliche Antwort gibt, und zwar in der Regel «ja». |
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In der Therapie mache ich mir dieses Muster zunutze, um den Haß, den manche Klienten gegenüber einem Mitmenschen empfinden, aus ihrem Nervensystem zu löschen. Das klingt dann beispielsweise so: |
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«Wenn du diesen Menschen jetzt vor dir siehst und dir vergegenwärtigst, dass er keine Ahnung hat, was Liebe ist, kommst du dir dann schwächer oder stärker vor als er?»
Der Klient antwortet hier immer mit «stärker».
«Und ist es nicht so auf dieser Welt, dass der Stärkere dem Schwächeren hilft?» (Rhetorische Frage)
«Ja.»
«Was kannst du als starker Mensch denn tun, um diesem armen schwachen Menschen zu helfen?»
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In diesem Augenblick geschieht beim Klienten eine geradezu metamorphotische Verwandlung. Sein Körper entspannt sich, seine Gesichtszüge werden schlagartig weicher, schöner und gelöster, und er antwortet ungefähr mit den folgenden Worten: «Ich könnte ihm etwas Liebe schicken, ihn mit Licht füllen.»
Von diesem Moment an ist das negative Gefühl aus dem Nervensystem gelöscht und kann nicht wieder produziert werden. Wer es einmal erlebt hat, wird mir beipflichten: Eine phantastische Geschichte!
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Nun zu unseren Mißbrauchs-Heinis, und wie sie rhetorische Fragen einsetzen. Zuerst Johnny Hochdruck, der Verkäufer:
«Wenn ich das richtig sehe, Herr Kunde, möchten Sie für möglichst wenig Geld möglichst viel Leistung bekommen?»
Kunde: «Ja, das ist richtig. Wer möchte das nicht!»
Verkäufer: «Genau. Und Sie legen wert auf eine hohe Förderleistung, nicht wahr?»
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Kunde: «Ja, das ist besonders wichtig.»
Verkäufer: «Und Sie sind einverstanden, dass jeder Monat, in dem Sie noch (Präsupposition) mit der alten Anlage verbringen, Sie zwischen 1000 und 3000 Mark zusätzlich kostet, ganz abgesehen davon, dass Sie einen Mann mehr benötigen?»
Kunde (nach kurzem Zögern): «Ja, das stimmt auch.»
Verkäufer: «Gut. Wenn Sie mir hier unterschreiben, können Sie noch diesen Monat von den Einsparungen profitieren. Das möchten Sie doch, oder?»
Und dann wird Johnny Hochdruck dem Kunden den Füllfederhalter in die Hand drücken und, wie es im Büchlein auf Seite 77 steht, «still und geduldig auf den Verkaufs-Abschluss warten».
Wenn Sie jetzt entgegnen «darauf würde ich nie herein fallen», glaube ich Ihnen das aufs Wort. Mir geht es genauso. Aber Sie können mir ebenso glauben, dass es täglich Tausende von Menschen gibt, die solche Tricks noch nicht durchschauen und etwas kaufen, was sie eigentlich gar nicht wollten.
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Und schließlich zum zweiten Missbrauchs-Heini, dem Politiker Dr. Giovanni Corrupto (der Doktortitel sei scheint's gekauft). Ich verrate es Ihnen jetzt schon: Das Finale wird eine rhetorische Frage sein. Passen Sie gut auf: Erkennen Sie alle anderen Sprachmuster? |
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«Ich sage, meine sehr verehrten Damen und Herren: Wir haben schon genügend eigene Probleme in unserem Land! Und ich sage: Wir können auf Elemente verzichten, bei denen man nie genau weiß, ob sie für oder gegen unser Vaterland kämpfen, und die glauben, nur weil sie Haare im Gesicht hätten, seien sie etwas Besseres. Ich fordere Freiheit und Sicherheit für jeden einzelnen von uns. Denn das wollen wir doch alle! Ist es nicht so? (Die Menge brüllt ja) Ich kann Sie nicht hören! Ist es nicht so???»
Haben Sie das gehört? Mit diesem letzten Satz, den ja jeder vernünftige Mensch bejahen muss, hat der Politiker sich ein Ja geholt für all seine vorherigen Aussagen. Und dass solche Techniken funktionieren, können Sie tagtäglich in politischen Diskussionen bestätigt finden.
Lassen Sie mich noch ein paar Sprachmuster erklären, und dann wollen wir gemeinsam untersuchen, wie selbst ich versucht habe, Sie mit diesem Buch zu manipulieren. Ja, Sie lesen richtig: Nicht einmal vor mir sind Sie sicher!
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Nominalisierung und Satzfragmente
Nominalisierung heißt: Aus einem Verb einen Substantiv machen, oder zu deutsch, aus einem Tätigkeitswort ein Dingwort machen. Beispiel gefällig? Bitte sehr, bitte gleich.
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In der Therapie würden wir beispielsweise die Trance vertiefen, indem wir nicht sagen «du verstehst das jetzt viel besser», sondern
«Du kannst all das neue Verstehen jetzt ganz leicht und einfach integrieren.»
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Ein Satzfragment ist ein Satz, der nicht fertig ausgesprochen wird, oder der mitten im Satz beginnt. In der therapeutischen Hypnose hört man viele solche Sätze, oftmals kombiniert mit Nominalisierungen:
«All das neue Verstehen, all die lange vergessenen Bilder... genau... so ist's richtig... und du weißt ja..., all dieses Lernen..., und du tiefer sinken kannst... jetzt..., da du weißt, du bist geborgen und sicher..., wie von selbst..., Selbstsicherheit..., Träumen können..., besser werden...»
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Solche Satzfragmente sind in der klassischen Werbung sehr beliebt, vor allem wenn es darum geht, das Publikum zu etwas zu überreden, was kein vernünftiger Mensch tun würde, wenn er darüber nachdächte. Hier ist ein Ausschnitt aus einer Zigaretten-Reklame:
«Herbst... die Zeit der Reife... der milden Klarheit sonnig-später Tage... wir lieben sie... genauso wie unsere MILDE SORTE.»
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Hier wird mit Hilfe von Satzfragmenten Stimmung gemacht, die sofort für eine neue nervliche Verknüpfung ausgenutzt wird.
In dieser Zigaretten-Reklame steckt noch ein weiteres hypnotisches Sprachmuster...
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Verletzung der Selektionsbeschränkung
Was so kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach. Schauen Sie noch einmal auf unser Zigaretten-Beispiel vom vorherigen Abschnitt. Gibt es so etwas wie späte Tage? Nein, die gibt es nicht. Es kann etwas spät am Tag geschehen, aber späte Tage? Nein. Ein Psycholinguist würde etwa die folgende Erklärung abgeben: «Wenn der Klient einen solchen Satz hört, fällt die Last, eine Bedeutung für diese Kommunikation zu konstruieren, auf ihn. Das löst transderivationale Suchprozesse im Gehirn aus, die wiederum die Trance verstärken.»
Auf Deutsch ausgedrückt: «Die milde Klarheit sonnig-später Tage» klingt so schön, dass man mir sogar eine Kehlkopf-Operation unterjubeln könnte (das wird ja dann in zwanzig Jahren auch nötig sein, selbst wenn die Sorte noch so mild ist...)
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Fehlender Referenzindex
«Während Sie diesen Abschnitt lesen, beobachten Sie bitte, wie bestimmte Gefühle in Ihrem Körper deutlicher spürbar werden!»
Wie? Was? Bestimmte Gefühle? Was für Gefühle? Wenn ich diesen Satz zu Ihnen sage, löse ich in Ihrem Gehirn wieder Suchprozesse aus, die bewirken, dass Sie tiefer in Trance gehen und nicht merken, was ich Ihnen verkaufen will. Das Ganze hat noch einen weiteren Effekt: Während Sie jetzt auf Ihre Gefühle im Körper achten, werden Sie feststellen, dass sie tatsächlich deutlicher werden. Sie werden daraus den (falschen) Schluss ziehen, dass die Gefühle zunehmen, weil ich es so suggeriert habe. In Wirklichkeit haben jedoch Sie selbst sie stärker gemacht, indem Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf lenkten.
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Tad James, einer meiner Lehrer, verwendet unter anderem die Suggestion:
«Du wirst gleich feststellen, dass sich eine deiner Hände etwas anders anfühlt als die andere.»
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Der Klient stellt nach ein paar Sekunden verblüfft fest: «Das stimmt tatsächlich!» Darf ich Ihnen verraten, warum sich eine Hand anders anfühlt als die andere? Weil es eine andere Hand ist, darum! Das hat rein gar nichts mit irgend welchen magischen Fähigkeiten des Hypnotiseurs zu tun, sondern lediglich mit seinen Kenntnissen in Bezug auf Sprache.
So, jetzt wo Sie über die wichtigsten hypnotischen Sprachmuster Bescheid wissen, wollen wir gemeinsam mein Vorwort zerpflücken. Sind Sie bereit?
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