Wie betriebsblind kann man eigentlich sein? Da produziere ich ganze 58 Podcasts, ohne jemals auf die Idee zu kommen, die häufigsten Fragen zum Thema Hypnose zu beantworten.
Die Nr. 59 holt dieses Versäumnis nach. Dabei werden gewisse Antworten möglicherweise überraschen, weil sie von der gängigen Lehrmeinung abweichen.
Ein 40minütiger HPZ-Monolog zum Thema Hypnose. Und die Aufforderung an Euch, in diesem Blog Fragen zu stellen; ich werde sie in einem der nächsten Podcasts beantworten.
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Lieber Hans-Peter,
für mich als sehr auditiven Menschen sind Deine Podcasts wirklich ein Segen
Ich höre Sie gerne im Auto (mit Ausmahme der Hypnosen natürlich!) und kann so mein Wissen ganz nebenbei vertiefen.
Herzlichen Dank dafür!
Stefan
Lieber Hans-Peter,
vielen Dank für den spannenden, informativen Podcast!
Die Inhalte kenne ich bereits von Deiner Website. Aber wenn Du gleichermaßen entspannt und kompetent darüber plauderst, erhält das gleich eine andere Note.
Du solltest öfter Podcasts über Themen machen, von denen Du Ahnung hast.
Gruß
Ralf
Hallo Hans-Peter,
danke für Deinen neuen Podcast.
Hier meine Fragen:
Wie funktioniert eigentlich Hypnose bei Kindern?
Kinder sind doch immer im Alphawellen-Bereich und nehmen Suggestionen im alltäglichen Alltag auf.
Und wie achtsam kann ich sein um nicht unbewusst
etwas zu suggerieren, was später im Erwachsenenleben (oder schon früher) eine Blockade wird?
Oder lässt sich dies kaum vermeiden?
mfg Sandra Ujetz
Liebe Sandra,
Deine Frage nach Hypnose bei Kindern ist sehr interessant. Zu mir kommen immer wieder Eltern mit ihren Kindern und bitten mich darum, ihnen bei bestimmten Fragestellungen weiterzuhelfen. Die Eltern sind dann oft erstaunt, dass ich den Kindern Geschichten erzähle oder sie auf eine ganz bestimmte Art und Weise frage, ohne dass die Kiddies dabei kataleptisch dahindösen – sondern vielmehr hellwach und aktiv sind. Ich erkläre es den Eltern dann immer so: in der Hypnotherapie (so wie ich sie verstehe) nutzt man die Fokussierung von Aufmerksamkeit zur Anregung von hilfreichen Such- und Findeprozessen im Gehirn. Z.B. frage ich Kinder, die manchmal noch nicht den optimalen Umgang mit ihrem Handdrang gefunden haben (die Eltern definieren ihre Kinder dann als “nicht trocken”), was wohl ihr Vater zu ihrem Opa sagen würde, wenn sie immer rechtzeitig merken würden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um auf Toilette zu gehen und ihre Hose dann immer trocken wäre. Und dann lasse ich mir von den Kindern ausführlich berichten, was sie sich ausmalen würden, was der Vater zum Opa sagt, welche Worte er benutzt und was es ihnen bewirken würden, wenn sie es belauschen könnten. Das Ergebnis ist, dass diese Kinder das nahezu erleben. Allein diese positive Vision (dieses Erleben) kann so viel Hilfreiches anregen, dass sich das Problem in Luft auflöst. Und bei der Beantwortung meiner Fragen sind die Kinder natürlich hellwach. Alpha-Zustand hin oder her!
Deine Bedenken, dass man als Eltern (schließlich habe ich auch 2 Kinder) etwas suggerieren kann, was den Kindern später irgendwie Schwierigkeiten bereiten könnte, kann ich so gut verstehen. Das werde ich auch häufig von Eltern gefragt – und frage ich mich das auch immer wieder selbst. Interessanterweise entwerfe ich dann für die Eltern immer folgendes fiktive (???) Szenario (wahrscheinlich nur Selbstschutz):
“Stellen Sie sich einmal vor, dass ich abends aus der Praxis nachhause komme und das gemeinsame Abendessen der Familie ansteht. Nachdem mein Sohn jetzt schon etwas größer und sehr stolz darauf ist, dass er seinen Beitrag zum Familienalltag leisten kann, schicke ich ihn in den Keller, um Apfelschorle (für Nicht-Schwaben: ein Gemisch aus Apfelsaft und Mineralwasser) für das Abendessen nach oben zu holen. Er geht voller Tatendrang in den Keller, vergisst aber das Licht im Keller anzumachen. Als er unten ist, fällt die Tür zu und es ist stockdunkel. Er bekommt Angst, schließlich reden seine Freunde aus der Vorschule auch immer von irgendwelchen Monstern. Langsam überkommt ihn diese furchtbare Angst. Im selben Moment sagt meine Frau zu mir: “Schatz, kannst Du noch kurz den Müll rausbringen?” – Sehr motiviert (vielleicht auch etwas genervt) mache ich mich auf den Weg und geh’ an der Kellertür vorbei. Im vorbeigehen höre ich Niklas, wie er unten im Keller etwas schluchzt. Sehr liebevoll (vielleicht mittlerweile auch schon etwas stinkig, weil mich der Weg zum Mülleimer tierisch nervt), öffne ich die Kellertür und flöte hinunter (vielleicht brülle ich auch mittlerweile kurz vor dem internen Kettensägen-Massaker) “ICH SAG DOCH, MACH DAS LICHT AN WENN DU IN KELLER GEHST!”, ohne zu realisieren, dass Nik gerade existenzielle Ängste hat.”
Nun gibt es 2 Möglichkeiten:
1.) Nik wird mit 7 zum Bessernässer, mit 14 traut er sich nicht im Zelt zu schlafen und besteht darauf, dass die Tür offen bleibt, wenn er ins Bett geht, mit 16 übernachtet er nicht bei seinen Kumpels zuhause und mit 23 entwickelt er eine Soziophobie, mit 25 fahre ich ihn das erste Mal zur Therapie
oder
2.) es passiert überhaupt nichts – er verarbeitet alles auf kompetente und hilfreiche Weise
Was ich damit sagen will: wir Eltern sind auch nur Menschen und können nicht alles verhindern. Vielleicht wäre es auch überhaupt nicht sinnvoll, wenn wir unsere Kinder vor allem bewahren würden? – Ich habe mir zwischenzeitlich eins angewöhnt: wenn eines meiner Kinder sich weh tut, dann sage ich nie mehr “das ist doch nicht so schlimm”, sondern lade meine Kinder immer ein, das Leid ausleben im Sinne von “Ja, das tut furchtbar weh und ich würde da auch weinen … aber schau mal nach, ob es vielleicht nicht schon etwas besser wird.” – und von Sekunde zu Sekunde wird alles besser, was nicht heißt, dass das “Trauma” nicht wirklich schlimm war.
Rückmeldungen sind herzlich willkommen.
Liebe Grüße,
Marco
Hallo Marco,
vielen lieben Dank für Deine praxisnahe Antwort.
Dein Tipp “das Leid ausleben” habe ich heute schon
umgesetzt und siehe da, der Schmerz war ganz schnell verschwunden.
Liebe Grüße
Sandra
Lieber Hans-Peter Zimmermann,
herzlich danke ich für die anregende Website, die ich seit einigen Monaten mit Gewinn lese, und besonders für den Podcast zur Hypnose und das kostenlose E-Book zu “Hypnose im Alltag”.
Ich bin gespannt auf die angekündigten Fortsetzungen.
Ich vermute, Sie haben Spaß an der Arbeit und der Darstellung Ihrer Ideen. – Ich meine, davon etwas zu spüren. Das empfinde ich als erfrischend.
Weiterhin viel Spaß und Erfolg
Ihr
Michael Veeser-Dombrowski