Als ich gestern in der Pistenbar saß mit zwei Holdrio in der Birne, da fiel mir plötzlich auf, dass ich weniger Gedanken im Kopf hatte. Für Outsider: Ein Holdrio ist ein Hagebuttentee mit irgend etwas Hochprozentigem, vermutlich Zwetschgenschnaps.
Und irgendwie war mein Glücksgefühl noch etwas intensiver, obschon der Vormittag auf der Piste auch schon ganz nett die Endorphin- und Interleukin-2-Produktion in meinem Körper angekurbelt hatte.
Da fiel mir auf, dass zu viel Denken möglicherweise unglücklich machen könnte. Einige von Euch werden jetzt sagen: “Da erzählst du uns nichts Neues. Was meinst du, warum wir uns Abend für Abend voll laufen lassen?” Entschuldigt also bitte die etwas naive Frage eines 5/6-Abstinenten.
Die große Zahl der intellektuellen Schriftsteller, die sich vom Intensiv-Denken in den Suizid treiben ließen, und die Aussagen vieler Schizophrener, die nach Pschyrembel oft überdurchschnittlich intelligent sind und sich über “zu viele Gedanken im Kopf” beklagen, würden meine These jedenfalls untermauern.
Dagegen stehen die vielen tausend Zeitgenossen, die nach drei Maß Bier beim “Frühlingsfest der Volksmusik” ihr Dasein aufs Schunkeln reduzieren und den Eindruck machen, wenigstens für ein paar Stunden glücklich zu sein.
Wenn man nicht wüsste, dass der Schein trügt, und dass mehrere Volksmusik-Orgasmen unter Bier-Einfluss noch unglücklicher machen als professionelles Denken, könnte man direkt drauf reinfallen.
Die Frage, die sich also jeder, der mit ein bisschen Hirn ausgestattet wurde, in jedem Moment fragen muss, ist: Tue ich jetzt etwas, was möglicherweise der Menschheit dient und meinen Tod überdauert, oder genieße ich ein bisschen Glück?
Ach ja, eine Alternative zum Besäufnis gibt es schon: Wenn man seine Gedanken niederschreibt, gibt’s Platz im Kopf, und das macht vielleicht nicht glücklich, reduziert aber das Unglücklichsein um ein gerüttelt Maß.
Dieser kurze Blog-Eintrag genügt jedenfalls für meine heutige Endorphin-Produktion; Holdrio brauche ich heute nicht, weder flüssig noch akustisch
Uff! Schwere Frage.
Macht zu viel Stuhlgang unglücklich?
Sind Gedanken für das Gehirn nicht das, was Kot für den Enddarm ist?
(Und das meine ich jetzt weniger polemisch als es sich im ersten Moment anliest.)
Wie sieht es eigentlich mit dem Denken während einer Trance aus?
Bei Meditation geht es ja gerade darum, das Denken vorübergehend abzustellen.
Ist das in einer Trance nicht ähnlich?
Fühlt man sich glücklicher in einer Trance?
Ich meine: Die reine Gedankenmenge und das momentane Glücksgefühl haben wenig miteinander zu tun.
Man kann sich glücklich denken – neue Erkenntnisse können geradezu einen Rausch verursachen.
Man kann sich aber auch unglücklich denken.
Selbst schuld, wenn man sich mit seinen Gedanken identifiziert!
Wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, wie man es einsetzt.
Gruß
Ralf
Hallo Hans-Peter,
neulich war ich glücklich und ich wußte nicht warum. Dumm. Denn alle denken, warum grinst der so blöde. Ich habe versucht es rauszubekommen und da wars mit dem glücklich sein vorbei. Mein ernsthaftes Bemühen, intellektuell dahinter zu steigen, hat es mir verdorben. Also beim nächsten mal, wenn es mich wieder überkommt, dieses unbegründete aber so angenehme Glücksgefühl dann ist es mir Wurscht was andere denken. Ich setz mich einfach hin und geniese…mein leicht dümmlicher Gesichtsausdruck soll mich nicht bekümmern.
Viele Grüße, Jürgen
Hallo und einen schönen Abend!
Die Buddhisten sind sehr wohl der Meinung, daß zu viel Denken unglücklich macht und meditieren lieber. Sie rezitieren Mantras oder konzentrieren sich auf den Atem, um das Kopfkino abzuschalten. Die tibetischen Buddhisten diskutieren händeklatschend auf das extremste, wobei sie ihre Logik und ihren Verstand auf das äusserste antreiben.
Zu viel Denken kann auch mit Grübeln verwechselt werden. Ist es nicht vielmehr so, daß wenn das Denken überhand nimmt, der Mensch ins Grübeln kommt und am Rad dreht?
In der chinesischen Medizin ein grosser Unterschied. Das Denken ist Yang. Wird es vom Intellekt gesteuert gehört es dem Element Feuer und Funktionskreis Herz/Dünndarm an, während das Grübeln (auch Yang) dem Element Erde und so dem Funktionskreis Milz / Magen Pankreas zugeordnet wird. Feuer nährt Erde
Tibetische Schamanen benutzen Alkohol, um sich in einen tranceähnlichen Zustand zu trinken, um den Verstand abzuschalten, damit sie Zugang zur anderen Welt bekommen. (Besoffene und Narren sagen die Wahrheit) Alkohol enthemmt und das Denken wird verlangsamt.
So das war heute abend mein bescheidener Beitrag! Das Gläschen Bodeaux tat hierbei sein übriges.
Zum Wohl
YodaL / alias Marina Kurz
Dazu habe ich gestern eine schöne Geschichte gelesen:
Ein alter, weiser Gelehrter war überall wegen seines langen, weißen und gepflegten Bartes bekannt. Eines Abends ging er gedankenvesunken durch Bagdad, als ihn einige Kinder ansprachen. Sie hatten eine Wette abgeschlossen und fragten ihn, wo sein Bart beim Schlafen liegt – unter oder über der Bettdecke.
Darauf antwortete der Gelehrte, dass er sich darüber noch nie Gedanken gemacht hätte, es aber herausfinden wolle und den Kindern dann am nächsten Tag Bescheid gibt.
Abends lag er nun in seinem Bett – und es kam, wie es kommen musste
Erst legte er den Bart unter die Bettdecke, dann darauf – dann wieder darunter – kurz: er kam zu keinem Ergebnis und verbrachte eine schlaflose Nacht.
Sein Bart, der bis dahin immer zu ihm gehörte, schien plötzlich ein Eigenleben zu entwickeln – die richtige Lage konnte der Gelehrte nicht finden.
Er ging am nächsten Tag zu den Kindern und sagte Ihnen:
“Seit ihr mir die Frage nach der Lage meines Bartes gestellt habt, die ich nicht beantworten kann, finde ich keinen Schlaf, und mein Bart fühlt sich an, als gehöre er nicht zu mir, ja als führe er sogar ein Eigenleben. Ich weiß nicht, ob ich meinen Bart, den ich immer für ein Zeichen meiner Weisheit und als Zierde meines Alters angesehen habe, nicht lieber abnehmen soll oder ob ich je wieder mit ihm vertraut sein werde.”
Hier findet Ihr die ganze Geschichte:
http://homoeopathie-vom-arzt.de/index.php/2009/03/5-marz-die-geschichte-vom-langen-bart/
Liebe Grüße
Annett
Nun, denken tun wir immer. Denken ist eine Funktion des Hirns wie Schlagen eine Funktion des Herzens ist. Auch weisen Meditationsmeistern gelingt es nicht, nicht zu denken. Sie streben das auch überhaupt nicht an.
Die Frage ist, was wir denken. Ob wir einen Gedanken ergreifen oder einfach ziehen lassen. Und dieses Was können wir beeinflussen. Irgendwo habe ich neulich mal gehört. “Auf Dauer nimmt die Seele die Farbe Deiner Gedanken an.”
Es lohnt sich also, seiner Gedanken bewusst zu sein und zu entscheiden, in welcher Farbe man denken will.
Herzliche Grüße
Stefan
Man kann schon einige Spielchen mit dem Denken unternehmen – bis dahin, eine Weile nichts zu denken. Erste Stufe ist die Beobachtung des Denkens. Dadurch verlangsamt es sich meist. Die Gedanken ziehen wie Wolken vorbei. Dann kann man mit seiner Aufmerksamkeit in die Zwischenräume oder Pausen der einzelnen Gedanken hineingehen und diese Spanne immer weiter ausdehnen.
Auch wenn ich mich intensiv auf ein Gefühl konzentriere, eine Handlung (z.B. Laufen oder Tanzen) oder versuche, ein Objekt in seinem So-Sein zu erfassen und mit ihm zu verschmelzen (Subjekt-Objekt-Auflösung) hört das Denken auf.
Das sind Tipps und Anregungen, die durchaus von einigen esoterischen Lehrern gegeben werden. Manche spirituellen Lehrer wenden sich gegen solche Praktiken, weil deren Ergebnisse forciert und antrainiert sind. Sie favorisieren das Nichtdenken, das sich durch Ergriffenheit, durch Erfasst-Werden von etwas Übergeordnetem von selbst einstellt. Annähernd kann sich so ein Erlebnis auch einstellen, wenn man auf den Sternenhimmel blickt oder dem Rauschen des Meeres lauscht und davon absorpiert wird.
Es gibt also verschiedene Arten des Nichtdenkens (auch etwa durch Aufmerksamkeitsverengung, -verlagerung und -erweiterung innerhalb des Bewusstseins) so wie es auch verschiedene Arten des Denkens gibt (etwa das grüblerische, zwanghafte, erforschende, zielgerichtete, kreative und das intuitiv-inspirierte).
Viele Grüße
Ralf L.
Woran merkt man, das man nicht denkt? Woran erinnert man sich, wenn man weiß, daß man nicht gedacht hat? Was ist eigentlich genau dieses Denken? Wenn ich intensiv den Sternenhimmel anschaue, weiß ich dann, was ich sehe, also denke ich? Und wenn ich mich ans Denken nicht erinnere, heißt das ich habe nicht gedacht oder erinnere ich mich nur nicht? Wer hört das Rauschen des Meeres und denkt nicht? Ist Hören auch denken? Und wenn ich absorbiert bin, was ist dann? Weiß ich darum und denke also?
Ich denke, also bin ich? Nö! Ich bin, also denke ich!
Gute Nacht!
Stefan
Den Satz aus dem Kinderreim:
„wenn du denkst du denkst, denkst du nur du denkst“
kann man auch umdrehen in
„wenn du denkst du denkst nicht, denkst du doch“
Das Gehirn schaltet sich (oder man selbst) nicht an und aus. Es ist von der Geburt bis zum Tod aktiv. In dieser Zeit denkt man.
Auch im Suff, bei Volksmusik. Nur reflektiert man dabei seine Gedanken weniger, was dann wohl auch besser ist.
Der Schizophrene hat ausgesprochen düstere Gedanken, darum hat es das Gefühl zuviel zu denken. Dabei denkt er eigentlich immer so ziemlich das gleiche.
Der Meditierende hat einen sehr engen Fokus seiner Gedanken, da wenig (oder keine) Sinneseindrücke dazwischen kommen, die verarbeitet werden müssen.
Es ist unwahrscheinlich, dass Menschen sehr unterschiedlich viel Denken. Der wesentliche Unterschied liegt wohl im Inhalt der Gedanken und eben ihrer Reflektion.
Und da liegt dann auch der Grund für Glücks- oder Unglücksgefühle.
LG
Michael
Hallo!
Welcher Teil von unserem Bewusstsein denkt eigentlich?
Das Bewusste oder? Ist dann das “nicht denken” unbewusstes denken?
mfg Sandra Ujetz
Hallo Sandra,
ich würde lieber sagen: “nicht denken“ ist unreflektiertes denken.
Ich kann mir Gedanken „machen“ (über irgend etwas). Dann sage ich: „ich denke“. D.h. ich kann mir des Denkprozesses bewusst sein.
Wenn mich jemand spontan fragt: „wie viel ist 1+2?“ dann antworte ich, ebenso spontan, ohne mir eines Rechenvorganges in meinem Kopf bewusst zu sein. Aber ohne „Denken“ hätte ich keine Antwort gehabt.
Soweit hast Du mit Deiner Frage Recht. Es gibt das bewusste (reflektierte) Denken und das unbewusste (nicht reflektierte) Denken. Das letztere aber „nicht denken“ zu nennen trifft m.E. die Sache nicht.
Denkt ein Mensch unter Hypnose? Doch ganz sicher. Reflektiert er dabei sein Denken? Wohl eher nicht.
Deine Frage könnte man, etwas flapsig, so beantworten: Es ist immer das Unterbewusstsein, welches denkt. Das Bewusstsein kann diesen Vorgang reflektieren (und in ihn eingreifen) oder auch nicht.
Aber damit kommen wir zu einer viel größeren Frage: Wo ist die Trennlinie zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein?
LG
Michael
Hallo,
es gibt da noch die Geschichte von René Descartes.
Er ging in eine Bar und stellte sich an den Tresen.
Der Wirt fragte ihn, ob er etwas trinken wolle.
Descartes antwortete: ich denke nicht… und verschwand.
Ich denke, dass der SuperComputer zwischen den Ohren seine Berechtigung hat, nur gehören dazu auch die entsprechenden “Anwendungsprogramme”. Sonst ist es wie mit einem Mülleimer: Mist rein, Mist raus.
LG
Hans-Peter