Hand aufs Herz:
Wenn Ihr von einer Studie lest, die belegt, dass durch Mammographie-Screening das Todesfallrisiko bei Brustkrebs um 25 Prozent reduziert wird, würdet Ihr das dann auch so deuten, dass eine von vier Frauen dank Mammographie-Screening überlebt?
Und wenn eine andere Studie besagt, dass das Diabetes-Risiko dank dem Medikament Pravastatin um 30 Prozent reduziert wird, würdet Ihr dann auch jedem in der Risikogruppe empfehlen, Pravastatin einzunehmen?
Vorsicht, sagt der berühmte Psychologe Gerd Gigerenzer! Diese Studien sprechen von einer relativen Risiko-Reduktion und nicht von einer absoluten.
Zur ersten Geschichte: Von 1000 Frauen, die vier Jahre lang zum Mammographie-Screening gehen, sterben deren 3. Von 1000 Frauen, die nicht zum Screening gehen, (d.h. vier Jahre lang unbeschwert leben anstatt in ständiger Angst, der Test könnte positiv ausfallen), sterben deren 4. Eins von vier, das ist eine relative Reduktion von 25 Prozent. Die absolute Reduktion rechnet sich aber so: 1 von 1000. Und das sind nach Adam Riese gerade mal 0,1 Prozent.
Ganz zu schweigen von der relativ hohen Rate an “False Positives”, die beim Screening herauskommen, also derjenigen Fälle, wo das Screening fälschlicherweise auf Brustkrebs hindeutet und die Frau in die Chemotherapie- und Bestrahlungsmühle schickt.
Ganz ähnlich könnte es bei der Pravastatin-Studie aussehen:
Wenn von 6000 Männern 5 Jahre lang Pravastatin eingenommen wird, erkranken nur 31 an Diabetes, wogegen es in der Kontrollgruppe 45 sind. 14 von 45 ergibt etwas mehr als 30 Prozent. Die absolute Risikoreduktion rechnet sich aber so: 14 von 6000, und das sind etwas mehr als 0,2 Prozent.
Über solche Themen spricht Gerd Gigerenzer in seinem Buch “Das Einmaleins der Skepsis”. Er spricht sich darin nicht etwa gegen wissenschaftliche Studien aus, sondern plädiert dafür, dass die Pharmakonzerne ihre Zahlendeutungen auch für den Laien verständlich erklären.