Ich denke, wir sind alle dafür, dass es im Internet keine Zensur gibt, oder?
Das bedeutet aber auch, wir sollten vorsichtig umgehen mit Ausdrücken wie “ich habe im Internet gelesen…” Die Frage ist, WO im Internet? WAS sind die Quellen? Und sind die Quellen auch nur ANDERE Internetseiten? WER steckt dahinter? Kann man diesen Leuten trauen?
Die Paranoia fand früher hinter hohen Mauern und geschlossenen Türen statt; heute darf sie jeder im Internet verbreiten. Zum Beispiel die Verschwörungstheorie von der Schweinegrippe als größtem geplantem Massenmord. Solcher Unsinn wäre früher nicht bis zu uns gelangt, weil diese Verrückten schlicht und einfach keinen Kommunikationskanal zur Verfügung gehabt hätten. Heute muss einer irgendwo auf der Welt einen pathologischen Rülpser loslassen, und wenige Sekunden später ist die Botschaft um die ganze Welt.
Wir müssten also in Zukunft ein neues Berufsbild schaffen: Den Internet-Wahrheits-Checker. Natürlich wird das gleich neue Fragen aufwerfen, zum Beispiel: Wer checkt den Checker? Und wer sorgt dafür, dass der nicht selbst paranoid wird? Schließlich gibt es so etwas wie eine “induzierte wahnhafte Störung”, früher “Folie à deux” genannt, wo ein gesunder Mensch aufgrund der Nähe zu Kranken auf einmal selbst die Wahninhalte übernimmt. Das Internet leidet mittlerweile unter einer “Folie à ziemlich beaucoup”