Super-Marketingidee für Gastronomen

Wie Ihr vielleicht wisst, ist es in den USA selbst in teuren Restaurants völlig in Ordnung, wenn man das, was man nicht geschafft hat, mit nach Hause nimmt. Nach einem “Doggie Bag” zu verlangen, ist allerdings schon lange out, da jeder weiß, dass es nicht der Doggie sein wird, der das bekommt. Man sagt entweder “Können Sie das für mich einpacken?” (“Can you wrap this up for me, please”) oder “kann ich eine Box dafür haben?” (“Can I have a to-go-box for this, please”)

Nany und ich waren eben in einem schicken Steakhouse. Mein Steak mit Lobster, was man übrigens “Surf and Turf” nennt (weil vom Meer und vom Land) war kein Problem für mich. Aber Nanys weiß-nicht-wieviele-Unzen-Steak war definitiv zu groß. An der schicken To-Go-Tragetasche hing ein Kärtchen mit folgendem Wortlaut:

Es gibt kein größeres Kompliment für einen Küchenchef, als wenn die Gäste eine Mahlzeit so sehr mögen, dass sie jeden Bissen genießen möchten. Danke, dass Sie meine Leidenschaft für außergewöhnliches Essen mit mir teilen, und danke für das Vergnügen, Sie als unsere Gäste bei uns gehabt zu haben.”

Und auf der Rückseite der Karte steht:

LeftoverSteakRecipes.com, weil es keinen Grund gibt, warum Ihr Reste-Steak morgen nicht noch eine wunderbare und erinnerungswürdige Mahlzeit werden sollte.

Ich habe es schon früher in meinem “Brief aus Amerika” gesagt, und ich sage es nochmals:
Der erste deutschsprachige Gastronom, der begreift, was in dieser amerikanischen Sitte für ein Marketing-Potenzial steckt, der wird definitiv das Rennen machen. Er könnte zum Beispiel auf seinen Tischen folgenden Steller präsentieren:

Liebe Gäste
Wie Sie vielleicht wissen, ist es in Amerika üblich, dass man sich alles, was man nicht essen konnte, einpacken lässt. Nicht etwa für den Hund, denn dafür ist unser Essen viel zu gut. Nein, wir finden es richtig, dass Sie morgen eine richtig tolle Mikrowellen-Mahlzeit genießen können. Damit diese Mahlzeit genau so unvergesslich wird wie die, die Sie gerade in unserem Restaurant genossen haben, besuchen Sie unsere Homepage vorzuegliche-reste-rezepte.ch. Guten Appetit und danke, dass Sie bei uns waren!

P.S. Das Ganze hat einen weiteren Vorteil: Sie haben in Ihrem Magen Platz für eines unserer unvergesslichen Desserts!

Na, wer ist der erste Gastronom, der diese Idee übernimmt? Ihr dürft es gerne hier als Kommentar veröffentlichen. Wenn das keine tolle Gratis-Werbung ist…

7 Kommentare zu „Super-Marketingidee für Gastronomen“

  1. Hallo Hans-Peter,

    weißt du was mich an deinen Tipps am meisten begeistert und gleichzeitig immer wieder sprachlos macht?
    Das sie so logisch und einleuchtend sind…und wir sind so eingefahren in unserer (soll ich sagen urdeutschen?) Art zu denken, dass sie uns nicht selber einfallen. Dabei macht doch eigentlich “Not erfinderisch”, sagt man. Ich höre viele Gastronomen schimpfen aber kreativ und erfinderisch werden sie nicht. Ist wohl die Not noch nicht groß genug. ;-)
    Viele Grüße und danke!
    Jürgen

  2. Es gibt schon schöne Sitten in Amerika und wir können immer wieder von den Amerikanern lernen. Ich war selber im September für gut vier Wochen wieder in Orlando und habe das Ideen und Serivce bei Disney, aber auch in den Supermärkten wo wir einkaufen waren, in Reinkultur erlebt. Da war das notwendige Einkaufen nach unserer Rückkehr an einem Samstag ein echter Kulturschock, der bei mir bis heute angehalten hat. Ich kann Hans-Peter so sehr nachfühlen, wenn ich seine Berichte über seinen Urlaub lese. Mir geht es da an vielen Stellen ganz ähnlich.

  3. Peter Mathys vom Restaurant Kreuz in Gerolfingen (Schweiz) schreibt:

    (Zitat)
    Danke für die Idee. Aber das ist nicht Esskultur wie ich sie verstehe!
    Wie sieht das denn aus? Ein angeschnittenes Stück Fleisch mit noch ein wenig Sauce drauf, an der Seite hängt noch etwas Fett herunter? Wenn ich das am nächsten Tag sehe denke ich dann nicht “und das habe ich gestern gegessen? Und es hat mir auch noch geschmeckt?” Nach der Mikrowelle ist es auch eher “bien cuit” als “a point” .
    Denke ich jetzt wie ein Schweizer? Oder bin ich etwa schon ein wenig “deformation professionelle”?

    Zudem eignen sich nicht alle Speisen zum Aufwärmen in der Mikrowelle. Wir konzentrieren uns auf Fische aus dem Bielersee und Cordon-bleu. Der Renner ist das Eglifilet fritiert.
    (Ich erstelle alle 2 Monate eine Hitparade der verkauften Speisen, das Egli fritiert ist immer mit Abstand an der Spitze). Generell das “dünne” Fischfilet und im speziellen das fritierte, eignet sich nicht für die Mikrowelle. Bleibt das Cordon bleu. Hier könnte man sich tatsächlich fragen. Wenn man keinen Wert auf eine knusprige Paniermehlkruste legt. Natürlich ohne Pommes frites, denn diese eignen sich auch nicht für die Mikrowelle.

    Im Kreuz Gerolfingen haben wirs anders gelöst. Wir bieten fasst alle Speisen in 2,3 oder sogar 4 Grössen an. Das heisst, wenn man so will, S, M und L und XL.
    So kann man zum Beispiel einen gemischten Salat als “kleinen Gemischten Salat, gemischten Salat oder Salatteller als Hauptspeise” bestellen.
    Egli fritiert gibts als “Vorspeise 100 Gramm, kleinen Teller 120 Gramm, Teller 180 Gramm oder Portion 240 Gramm”) Was bei den Gästen sehr gut ankommt.

    Und wenn wirklich jemand nicht alles essen mag und es wünscht, packen wir es gerne ein. Für wen auch immer.
    (Zitat Ende)

    Das ist die Meinung eines Gastronomen. Wie aber sieht es der Gast? Wie sehen es meine Blog-Leser?
    Ich bin der Meinung, der Gast ist mündig genug zu entscheiden, welche Speisen sich zum Mitnehmen eignen. Und dass Peter etwas gerne einpackt, steht ihm ja nicht auf die Stirn geschrieben, oder? Wenn ich im Hotel Hornberg zum MIttagessen einen wunderbaren Korb mit Walliserbrot aufgetischt bekomme, weiss ich, dass sie das, was ich nicht esse, wegwerfen müssen, denn was mal beim Gast war, gilt für das Lebensmittel-Inspektorat als verdorbene Ware. Ist ja auch richtig so. Im Hornberg traue ich mich dann natürlich schon zu sagen, dass ich das Brot gern auf die Wanderung mitnehmen möchte. Aber traut sich der Durchschnittsgast das auch? Ich glaube nein. Deshalb könnte man viel Sympathie gewinnen, wenn man ihm sagt, dass es okay ist.

  4. ThomasNo Gravatar sagt:

    Hallo

    Als in den USA lebender Schweizer bin ich auch immer wieder erstaunt, welche grossen Unterschiede es zwischen den beiden Ländern bezüglich der Gastronomie gibt. Angesichts der Portionengrösse ist das Mitnehmen von Resten durchaus sinnvoll und das meiste lässt sich am nächsten Tag als “lunch” nochmals aufwärmen und schmeckt auch.

    Es gibt aber noch weitere Dinge, die ich hier in Restaurants enorm zu schätzen weiss:
    - Gratis Wasser
    - Gratis oder enorm billige “refills” der bestellten Soda-Getränke
    - Grosse Auswahl an Vorspeisen (weit entfernt vom immergleichen “kleinen gemischten Salat” oder der “Tagessuppe”)
    - Grosse Dessertauswahl (nicht immer die gleiche langweilige Glacé-Karte)

    Erstaunlich ist auch, dass trotz der vielbeschworenen Wirtschaftskriese die Restaurants immer relativ gut gefüllt sind (und die Resteaurants sind hier meistens etwa dreimal so gross wie unsere “Sonnen”, “Linden”, “Sternen” etc). An Wochenenden können auch mal Wartezeiten von 30 bis 60 minuten entstehen.

    Ich bin zwar selber kein Gastronome, aber meine Frau und ich gehen gerne und häufig auswärts zum Essen (sowohl in unserer Zeit in der Schweiz als auch jetzt hier in den USA). Ich hoffe, diese Zeilen könnten den ein oder anderen “Beizer” in der Schweiz etwas inspirieren…

    Gruss

    Thomas

  5. YodaLNo Gravatar sagt:

    Hallo,

    ich gebe hier gerne meine Meinung ab, als Gast und
    als jemand der gerne kocht und gut isst. Wenn ich essen gehe, lege ich großen Wert auf gute Qualität.

    Als Gast hab ich mich nie gescheut, meine ehrliche Meinung zu sagen, wenn der Service beim Abräumen mich fragt, ob alles in Ordnung gewesen sei. Genauso hab ich mich gescheut, wenn das Essen excellent und zu reichlich war, nach einem “Doggie Bag” zu fragen. Ich bin dabei nie schief angeschaut worden, noch wurde es mir abgelehnt. Vielmehr fand ich zu meiner Überraschung immer noch etwas Beilagen dazu.

    Natürlich geht das nicht mit allen Speisen! Hier würde ich mir sehr gerne – wie im Kreuz in Gerolfingen – unterschiedliche Portionsgrössen auf der Karte wünschen. Doch wenn ich beim Essen merke, daß hier Fertigprodukte mit Geschmacksverstärkern verarbeitet wurden, habe ich wenig Lust auf ein Doggie Bag.

    Ich habe in meiner Nähe ein phantastisches italienisches Restaurant, in dem der Chef mit Leidenschaft und einer solchen Liebe kocht, daß ich immer wieder aus der Reihe Kleinigkeiten zum Probieren bekomme. Er schätzt die Meinung seiner Gästen und er bietet das Doggie Bag jedem Gast an, der mehr als ein Drittel auf dem Teller lässt. Seine Küche ist fein und nur mit frischen Zutaten und besonderen Gewürzen. Beim Öffnen des Doggie Bag, findet man dann immer noch einen kleinen Nachschlag an Gemüse oder Pasta, damit die Portion wieder stimmt und man sich gut an den erlebten Abend erinnern kann. Mittlerweile werde ich dort sogar mit Handschlag begrüsst.

    Ich sehe hier das Problem primär nicht bei den Gastronomen, sondern eher bei der Einstellung der Gästen. Selbst wenn der Gastronom es anbietet, scheuen sich viele Gäste, weil sie meinen, das wirke geizig oder kleinlich. Eine Bekannte von uns hat mich dahingehend kritisiert und mir erklärte, daß sie sich für mich geschämt hätte. Ich war damals überrascht und verletzt. Gehe mit ihr in diesem Leben sicherlich nicht mehr so schnell essen.

    Kurz, es geht serh wohl. Die Menschen sollten vielleicht ihr Denken und ihre Einstellung prüfen und ihre negative Meinung zum Doggie Bag einfach über Bord werfen.

    Herzliche Grüsse
    aus dem regnerischen Schwabenländle

    Marina

  6. Rena RichterNo Gravatar sagt:

    Wirklich, eine super Marketingidee! So wüßte ich von vornherein, dass das Lokal nicht unbedingt meine Kragenweite ist.
    Da hab ich doch mal gelernt, dass wir nicht in “Preis-Leistung” denken sollten, sondern in “Preis – Wirkung”. Wurde einleuchtend erklärt und finde ich im Praxistest immer wieder logisch bestätigt.

    Meine Gedankengänge zu Wirkungen von großen Portionen und Doggibags:
    - nach dem Essen geht es nicht schlendernd nach Hause/ an den Strand, zum Bummel oder Shoppen, sondern mein Doggibag möchte “betreut” werden: warm, kalt, gerade stehend und ohne Fetttröpflein am Boden usw. (in der nicht verbummelten Zeit könnte man ja gleich noch die Reste umpacken)
    - dann müffeln diese Essensreste mir das Auto voll (offensichtlich riecht Essen nur mit Hunger gut, danach immer abgestanden)
    - dann verstopfen diese i.d.R. voluminösen Behältnisse meinen Kühlschrank (wehe, es stehen noch Reste vom Restaurantbesuch am Vortag)
    - dann kratze ich am nächsten Tag aus dem Kunststoffeinweggeschirr einen Essensrest, der im besten Fall gestern noch lecker war und versuche nun, diesen wieder zu beleben und den Kunststoffgeschmack zu übertönen (zum Glück gibts gekörnte Brühe und getrocknete Petersilie)
    - danach entsorge ich die Berge von Verpackungsmüll, natürlich getrennt und noch mal in einer zusätzlichen Plastiktüte eingebunden, damit es nicht im Abfall riecht oder Sosse rumkleckert ( bin ja kein Umweltverschmutzer )

    Spätestens dann habe ich den schlechten Gastronomen verziehen: Masse macht´s eben. Satt ist satt, von Genuss ist schließlich noch keiner satt geworden. Stattdessen freut sich Otto N. über nachweisbare/sichtbare xxxl Portionen für sooo wenig Geld und dann auch noch über den Einpack-Service. Bei der Gelegenheit kommen keine Gedanken darüber auf, ob soviel Qualität für soviel Geld machbar ist und wer am Ende die Zeche wirklich zahlt.
    (Gemeint sind z.B. die Rindviecher, die in Argentinien in ihrer Masse die Luft verpesten oder die, die in der Gastroküche den Abwasch machen)

    Eine Küche, die den Anspruch hat viel “Wirkung für viel Preis” wird sich jedoch hüten, sich die Wirkung durchs Laien-Aufwärmen kaputt machen zu lassen. Dazu ist das Wirkungserzeugen einfach zu aufwändig und teuer.

    (((In Berlin gab es mal einen Sternekoch, in dessen Restaurant nicht mal Salz und Pfeffer auf dem Tisch standen, da er sich seine Kreationen vom gemeinen Volk nicht kaputt machen lassen wollte, schließlich malt man bei Picasso ja auch nicht nach seinem Gusto nach…(er verstarb 50 jährig an Erbrochenem)))

    Zurück zur Wirkung von großen Portionen mit und ohne Doggibag: irgendwann resultiert daraus ein Problem mit Diäten und / oder Bauch. Den eigenen Bauch in Griff zu behalten, ist noch die leichtere Last. Wenn in der Alltagskultur Gewicht, Übergewicht, Diäten und deren Folgen immer breiteren Raum einnehmen, fühle ich mich echt belästigt und sehne mich nach einer mitteleuropäischen Esskultur mit Vor-, Haupt- und Nachspeise in normal abbaubaren Portionen mit interessanten Gesprächen, in denen keine Krankheiten, Diäten und schlechte Gastronomen vorkommen und nach Aussichten, die nicht von voluminösen Figuren verstellt werden.

    Stellen wir uns bloss mal vor, diese Doggibagkultur greift auch in anderen Branchen um sich. Schreckliche Vorstellung! Nehmen wir doch mal einen Seminarleiter. Der plant sein Seminar durch, sein ganzes Wissen und Können steckt er in die Seminarvorbereitung und -durchführung und bringt seine Teilnehmer von Wissensgewinn zu Wissensgewinn. Dann kommt ein Teilnehmer und sagt: Tolle Sache, die du mir anbietest, aber ich schaffs gerade nicht: pack mir doch mal die Seminarunterlagen ein, ich richte mir das morgen alleine her.
    Als Marketingindee hatte der Seminarleiter angeboten:
    Lieber Teilnehmer, ich finde es richtig, dass Du auch morgen noch was Interessantes zu lernen hast. Damit dein Home-Seminar genau so unvergesslich wird wie das, was du gerade in meinem Seminar erlebt hast, besuche doch meine Homepage “Lernen im eigenen Saft” . Viel Erfolg und danke, dass Du bei mir warst!

    P.S. Das Ganze hat einen weiteren Vorteil: Du hast am Abend noch genügend Zeit, um interessante Nachrichten auf einem Kanal deiner Wahl oder ggf. noch ein anderes Seminar zu geniessen.

    Was auch immer Egli sind – im Kreuz Gerolfingen kehre ich gerne mal ein. Die Auswahl an 80-100-150 Gramm gefällt mir besser, als die Auswahl zwischen Wegwerfen und Einpacken. Grüße bitte den Koch.

    Im Übrigen freue ich mich auf das Hornberg, in dem die Portionen ungefragt so klein bzw. so groß sind, dass man nach dem Essen satt, aber nicht voll und träge ist. Schließlich gibt es dort sonst was zu verpassen.

    Wegschmeissen mag ich allerdings auch nichts gerne und würde ja gerne von den Amerikanern diesbezgl. lernen: meine kalifornische Freundin gab mal auf einem Parkplatz vor einem Center ihre Fehlkäufe an Kosmetika einer Mexikanerin. Die freute sich sichtlich über das Geschenk.
    Nun stelle man sich vor, ich verschenke meine Fehlkäufe auf einem deutschen Parkplatz……

    Auch wenn ich hier in Bezug auf große Portionen und Doggibag nicht folgen möchte, so stimme ich Dir, lieber Hans Peter, 100%ig zu, wenn Du gemeint hast, dass vielen unserer Gastronomen frische Ideen, Kreativität und eine gewisse Servicementalität gut stehen würden und wir Gäste durchaus selbstbewußt unsere Wünsche äußern sollten.

    Herzliche Grüße
    Renate

  7. @Renate:

    1. Wow, an Dir ist eine Schriftstellerin verloren gegangen.
    2. Die To-Go-Box gibt’s bei meinen Seminaren schon lange. Meine Seminarteilnehmer bekommen etliches zusätzlich, was sie später noch genießen können.
    3. Da Du Dich ja öfter in der gleichen Gegend aufhältst: Das Restaurant heißt “Fleming’s”, liegt beim Fashion Island und würde manch hiesiges Restaurant zum Erblassen bringen. Die To-Go-Box ist übrigens auch dort FREIWILLIG.

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