Wie man meinen früheren Blog-Beiträgen entnehmen kann, habe ich mich am letzten Wochenende gegen ein Minarett-Verbot ausgesprochen, weil ich der Meinung bin, dass man damit keine Probleme löst.
Was jedoch das “Nachspiel” zu dieser Abstimmung angeht, finde ich ein paar Dinge mehr als peinlich:
- Länder, die die Menschenrechte mit Füßen treten (ich erinnere nur an die tollen Traditionen wie Steinigen, Händeabhacken und Kinderzwangsheirat) kritisieren jetzt, dass die Schweiz das Völkerrecht missachte. Super!
- Es kann nicht gut sein, dass sich mit Hilfe dieser Abstimmung ein paar Politiker profilieren, die mit ihren verstaubten Ansichten in der modernen politischen Arena längst nichts mehr zu suchen haben.
- Ich finde den Islam eine genau so bescheuerte Religion wie alle anderen organisierten Religionen. Man denke nur an den Ramadan. Da steht also, man solle 30 Tage lang fasten, was ja eine ganz gesunde Sache wäre. Und weil das vielen nicht passt, sagen sie einfach “Allah hat nichts von den Nächten gesagt.” Resultat: Am Tag wird gehungert und am Abend frisst man sich die Hucke voll. Für solche depperten Interpretationen habe ich nur einen einzigen Trost: Die Interpretationen der christlichen Bibel sind auch nicht besser. Jeder denkt, dass da oben ein Riesendepp sitzt, der es nötig hat, Vorschriften zu erlassen, und den man problemlos austricksen kann.
Ja, es ist gut, dass die Initiative eine Diskussion in Gang bringt. Aber würdet Ihr bitte auch diskutieren, welcher “christlichen” Gehirnwäsche wir hier täglich ausgesetzt sind. Traut sich mal jemand zu sagen: “Der Papst verletzt meine religiösen Gefühle?”
Hallo,
ich glaube, es geht in der Debatte gar nicht so sehr um den Islam als Glauben, sondern vielmehr um die Befürchtung, unterwandert zu werden, wie z.B. in Indonesien. Viele haben doch mit Religion gar nichts mehr am Hut, egal welche Richtung. Sie fürchten den islamischen Fundamentalismus des Islam mit all seinen Facetten. Ich, ehrlich gesagt auch, wobei ich auch die neuen “Krieger Gottes” aus Rom fürchte, die sich gerade mit dem Katechismus und dem Codex Iuris Canonici aufmachen, das Abendland zu retten.
Wie ich kürzlich las, nehmen seit 2001 Missionierungen von amerikanischen Missionaren im Nahen Osten wieder zu. Und dort ist eine Konversion mit dem Tode bedroht. Die martialischen Praktiken der Scharia verursachen in manchen Köpfen Horrorszenarien, die bekämpft werden wollen.
Eine Frage habe ich noch: Was verstehen Sie unter der täglichen christlichen Gehirnwäsche? Ich persönlich erlebe in meinem Alltag wenig davon, mache dafür aber zwiespältige Erfahrungen mit aktiven Muslimen. Mag gut sein, daß ich hier einer selektiven Wahrnehmung durch die Medien unterliege.
Siehe auch meinen bescheidenen aktuellen Blogbeitrag.
Gruß
aus Süddeutschland
Marina
Ups…
Jezt hab ich beim Lesen bemerkt, daß ich auf meinen Blog verwiesen habe, aber ohne zu verlinken. Hier der Link:
http://yodal.wordpress.com
Gruß
Marina
Was wäre denn die “richtige” Religion in Indonesien? Die christliche Unterwanderung, der holländische Überfall? Trotzdem leben die unterschiedlichsten Ethnien in weiten Teilen des Landes gut zusammen. Ich denke auch wir sollten doch endlich unterscheiden zwischen Islamismus und dem Islam als Religion, wie er recht friedlich von Millionen gelebt wird. Wenn ich hingegen an die historischen und modernen Kreuzzüge der – wiedergeborenen – Christen denke…..
Ein Satz der Bibel lautet: “Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst.”
Somit ist jeder, der das nicht tut auf dem falschen Dampfer.
Ob er sich nun Christ nennt oder nicht.
Es liegt am jeweiligen Mensch, nicht an der Religion.
Pauschalverurteilungen sind fehl am Platze.
Viele Grüße,
Jürgen
In der Bibel steht so einiges. Manches ist meiner Meinung nach ganz nützlich und manches nicht. Und nur weil etwas in der Bibel steht, heißt es noch lange nicht das es richtig sein muss.
Ich liebe nicht jeden wie mich selbst. Vielleicht kommt der ein oder andere nach ein wenig ehrlichem nachdenken darauf dass ihm fremde Menschen auch hin und wieder gleichgültig sind. Oder dass es sogar Menschen gibt die man nicht so gerne hat.
Ich stimme dir übrigens zu Jürgen, dass Pauschalverurteilungen fehl am Platz sind. Hat aber nichts mit Nächstenliebe zu tun.
Das ist meine derzeitige Meinung mag sein das ich mich irre…
Viele Grüße,
Stefan
Hallo,
diskussionswürdig ist nicht, was abgestimmt wurde, sondern wie darauf reagiert wird.
Ich verstehe die Schweizer, die nun so abgestimmt haben – ich verstehe auch die Niederländer und Franzosen, die nun ebenso überlegen.
Doch leider ist vieles, was in den vielgelesenen, vielgehörten oder vielgesehenen Medien verbreitet wird, nur die halbe Wahrheit.
Zum Thema Abstimmung in der Schweiz mit der Verbindung zu Gerichturteil in der BRD und der neuen Gesetzgebung in Polen habe ich mir auch meine Gedanken gemacht und diese auf meinem Blog http://pruzzen.blogspot.com/ unter der Überschrift “Böse Schweiz – braver Pole – komischer Deutsche” veröffentlicht.
Wobei ich mir unterstelle, dass es weniger um Religion geht,
denn hier stimme ich HPZ zu:
“Ich finde den Islam eine genau so bescheuerte Religion wie alle anderen organisierten Religionen”
Und ich darf emp-finden
Beste Grüße
Der Hagen
Mich regt am meisten auf, dass es mal wieder diejenigen sind, die am lautesten schreien, bei denen man gar keine (christliche) Kirche bauen dürfte. Wen wundert es da noch, dass beinahe jeder zweite Europäer Vorurteile gegen islamische Völker hat?
Stattdessen beweisen die farblosen Politiker westlicher Nationen mal wieder grenzenlose Feigheit, in dem sie sich eben nicht hinstellen und die Demokratie in Schutz nimmt.
Und wenn die Schweizer nun mal Angst haben, wie Sie sagen, Herr Zimmermann (ich denke auch, dass nicht die Minaretten das Problem sind, sondern die Religion(en) an sich), und der Volksentscheid einen Punkt gesetzt hat, dann sollten das der Rest der Welt akzeptieren – allen voran diese ekelhaften EU-Politiker.
Minarette zum Zweiten http://bit.ly/8SdEV5
Politisch geht es noch um was ganz anderes. Zur Abstimmung standen ja das Minarette Verbot und nicht das Moschee Verbot.
Die Schweiz hat eine wunderbare Tradition. Sie lässt das Volk entscheiden und vertraut damit den eigenen Bürgern. Damit steht sie fast allein da und hat doch recht damit.
Dazu eine kleine Geschichte: Der Anthropologe Francis Galton besuchte, 84 jährig, In seiner Heimatstadt Plymouth einen Bauernmarkt. Dort wurden Wetten darauf angenommen, wie viel Gewicht das Fleisch eines bestimmten, noch lebenden Ochsen auf die Waage bringen würde, wenn das Tier geschlachtet und für den Verzehr vorbereitet sei. Zu den Wettern gehörten Schlachter und Bauern, aber auch viele unbedarfte Bürger, die keine Ahnung von Fleischverarbeitung hatten. Galton beschrieb die Menge zynisch als den typischen Bevölkerungsquerschnitt, wie er auch bei Wahlen an die Urne geht. Er beschloss eine kleine Untersuchung durchzuführen, die seiner Ansicht nach die Unfähigkeit des durchschnittlichen Individuums zur Selbstverwaltung beweisen würde. Nachdem die Wetten abgeschlossen waren, sammelte Galton die 787 Eingaben ein und ermittelte aus ihnen die durchschnittliche Schätzung, also das von der Menge als Ganzes vermutete Gewicht. Das Ergebnis überraschte Galton komplett: Die durchschnittliche Schätzung betrug 1197 Pfund, nur ein Pfund weniger als das abschließende Gewicht von 1198 Pfund. Selbst der Gewinner lag nicht so dicht an der Wahrheit.
Quelle: “Die Weisheit der Vielen” von James Surowiecki
Gibt es eine klügere Möglichkeit als das Volk entscheiden zu lassen? Das Ergebnis in der Schweiz zeigt ein differenziertes Bild. Nur 7 % mehr als die Hälfte hat sich für das Verbot ausgesprochen. Das ist doch ein äußerst moderates Ergebnis angesichts der allgemeinen Islamfeindlichkeit des Westens, seit nunmehr acht Jahren. Kollektive Intelligenz ist oft exzellent, vorausgesetzt, sie ist richtig zusammengesetzt.
Was Sie über Religionen allgemein schreiben ist wohl richtig. Aber, jeder seltsamen Vorschrift steht auch ein Gewinn gegenüber. Nur in dieser Ausgewogenheit funktioniert das System. Weil wir polare Wesen sind. Und wenn Religionen nun mehr und mehr in Schieflage geraten, zeigt das (gewaltige) künftige Veränderungen an.
herzliche Grüße
Stefan Pruszynski