Seminarleiter sind manchmal Copyright-süchtig…

Ein Arzt, der vor einiger Zeit an meinem Grundlagen-Seminar teilgenommen hat und begeistert ist, fragt mich, ob er den einen oder anderen Gedanken an einem Workshop weitergeben dürfe.

Was für eine Frage! Wozu hat man denn sonst die Seminargebühr bezahlt? Was Ihr bei mir gelernt habt, gehört Euch. Und damit die eine oder andere Folie auch in einen Vortrag einfließen kann, bekommen meine Teilnehmer bei mir seit Jahren sämtliche Unterlagen als farbiges PDF auf einer CD-ROM.

Etwas anderes ist es natürlich, wenn jemand ein ganzes Seminarkonzept übernehmen will; in diesem Fall bin auch ich der Meinung, dass man über eine Lizenz sprechen müsste.

Mich würde interessieren, wie es die anderen Seminarleiter handhaben. Müssen Eure Teilnehmer das Gelernte am Ende des Seminars zurückgeben? ;-)

19 Kommentare zu „Seminarleiter sind manchmal Copyright-süchtig…“

  1. Hallo Hans-Peter Zimmermann,

    die Seminarunterlagen gehören selbstverständlich den Seminarteilnehmern. Allerdings scheinen einige Zeitgenossen es für überflüssig zu halten, bei Verwendung einzelner Folien oder Textpassagen ihren Kunden/Teilnehmern zu sagen, von wem sie das haben und es so ausschauen lassen, als wäre es auf ihrem eigenen Mist gewachsen. (Juhu: ein Bandwurmsatz ;-) ) Das finde ich gelinde gesagt unfair, weshalb ich um richtige Quellenangabe und kurzen Hinweis an mich bitte. Insofern finde ich das Verhalten Deines Seminarteilnehmers prima.
    Ich kenne einige Trainer, denen schon “Wissensklau” durch ihre Seminarteilnehmer oder auch durch frei zugängliche Medien widerfuhr. Und ich möchte meine Arbeit womöglich gar nicht in jedwedem Zusammenhang benutzt wissen. Deshalb kann ich auch nachvollziehen, wenn manche Kollegen da inzwischen sich eher ablehnend verhalten.

    Beste Grüße
    Michael Bartsch

  2. Hallo Hans Peter,
    das Gelernte zurückzugeben ist doch schier unmöglich, es sei denn ich habe nichts gelernt aber auch das kann ich nicht zurückgeben, denn wo nichts ist…, oder? Ich denke ein wichtiger Bestandteil eines guten Seminars ist doch der, dass ich das Gelernte wieder- und weitergebe. Was nützt mir mein Wissen, wenn ich es nicht mit jemand teile und es in die Welt weitertrage. Das Ganze wird wohl auch nie vermeidbar sein. Ebenso wird es mit Sicherheit auch immer jemanden geben, der es noch etwas ausbaut. Keiner wird das Rad neu erfinden. Allerdings sollte der Fairness halber der Seminarteilnehmer bei Weitergabe seine Quelle nennen und sich nicht mit fremden Federn schmücken. O.K. finde ich auch, wenn ich eine Nachricht erhalte und mitgeteilt bekomme was weiterverwendet wird. Nicht so toll ist es das eigene Seminar eins zu eins und dann auch noch schlecht vermittelt irgendwo zu entdecken. Da ich natürlich vieles von Dir mitnehmen durfte, habe ich auch ein wenig von Dir „abgestaubt“, so bin ich gerade mit Ute dabei ein „natürlich aktipas®Therapie unterwegs“ Video zum Thema Wunschgewicht zu produzieren und einen Teil davon drehen wir beim Autofahren. Selbstverständlich mit dem Hinweis, woher diese geniale Idee stammt. Vielen Dank noch einmal, nicht nur für diese Inspiration.
    Grüße aus dem verschneiten Taunus
    Olaf

  3. Ich halte es mit niemand geringerem als Gott: „Seid fruchtbar und mehrt Euch und reizt mich nicht!“
    Will heißen (frei nach Trödler Abraham): „Nehmt den Kram und werdet froh damit – und macht für Euch das Beste daraus“. Wenn im Laufe der Zeit etwas verbessert werden kann, dann gerne her damit.
    Irgendwie hat es auch etwas, die eigenen Dinge im Netz wiederzufinden – mehr oder weniger verändert. Es war offensichtlich so gut, daß jemand anderes es für sich nutzt. Die Kopie ehrt den Schöpfer.
    Es ist jedoch noch nie vorgekommen, daß jemand völligen Blödsinn daraus gezaubert hat. Da würde ich dann im Einzelfall mal mit ein paar freundlichen Worten auf Unterlassung drängen. Und zum – selbstverständlich kostenpflichtigen – Update auf eines meiner nächsten Seminare laden.

    Meine Verträge haben nur 29 Buchstaben: Vertrauen Wirkung Zufriedenheit. Copyright kommt da drin nirgends vor.

  4. Hallo Hans-Peter,

    ich halte es genauso wie du. Ich habe schon komplette Blogeinträge von mir in einem Blog gelesen, ohne Quellenangabe, ich dachte der Text muss richtig gut gewesen sein, wenn er von anderen benutzt wird. Ich glaube fest daran, dass ich genug weiß, dass es mir egal sein kann, wenn eine Kollegin oder Kollege einige Ideen von mir übernimmt. Ich hab auch genug Impulse von Kolleginnen und Kollegen verarbeitet und in meine Ideenwelt integriert, warum sollen das die Anderen nicht auch tun.

  5. Doc RamadaniNo Gravatar sagt:

    Lieber Hans-Peter,

    wow, jetzt habe ich es schon wieder in einen Blog-Beitrag geschafft. Fühle mich geehrt!

    Ich halte es sogar so mit den Inhalten meiner Homepage, dass ich hypnotherapeutisch tätigen Kollegen anbiete, die Inhalte für sich zu übernehmen. Es ehrt mich, wenn die Leute die Texte gut finden.

    Falls ich einmal einen Tapetenwechsel möchte, dann schreibe ich einfache neue Texte. Bin schließlich Unternehmer und nicht Unterlasser.

    Herzliche Grüße,
    Marco

  6. TobiasNo Gravatar sagt:

    Das Copyright ist immer ein Macht-Derivat. Es gab Zeiten ohne staatsgeschütztes Copyright.

    Beispielsweise war der von mir bewunderte Johann Sebastian Bach nur deswegen so produktiv, weil es seinerzeit eben kein (durch den staatlichen Waffengewalt-Apparat geschütztes) Kopierrecht gab. Die Beschreibungen der beiden Michaels in den Kommentaren finde ich – bis auf die Unterlassungsklage-Androhung – sympathisch.

    Es hat sein Gutes, wenn Know-How, neue Ideen, Musik etc. frei fliessen (dürfen).

  7. Jan von BergNo Gravatar sagt:

    Hallo Hans-Peter,

    meine Smeinarunterlagen können grundsätzlich auch immer gerne weiter verwendet werden. “Wissen teilen” geht ja sonst auch nicht ganz so gut…

    Aber die Idee mit dem “am Ende abgeben” hat was – vielleicht sollte ich hin und wieder mal statt einer Integrationstrance eine kleine Extraktionstrance durchführen… nur mal Testweise :)

    Schöne Grüße aus dem Kölner Umland,
    Jan

  8. Ute HeidornNo Gravatar sagt:

    Hallo Hans-Peter,

    wie Du gebe ich am Ende meiner Seminare eine CD-ROM mit dem Seminarskript und den Präsentationsfolien und allem anderen Material für die Teilnehmer mit. Sie sind dann oft erstaunt ob dieser “Großzügigkeit” – und ich freue mich.

    So wie ich aus anderen Seminaren Wissen schöpfe und es in meine Arbeit einfließt, so hoffe ich, das meine Arbeit zum Wohle anderer dienen kann und die Menschen erfreut.

    Und so habe gerade jüngst einen Videomitschnitt mit Marco einem meiner Klienten gezeigt, der überlegt, seine Spielsucht hypnotherapeutisch von mir behandeln zu lassen.

    Ich mag einfach gern weitergeben, was ich selbst habe – und bekomme sehr oft auch viel dafür zurück. Und das eine Mal, das ich damit gründlich auf die Nase gefallen bin, buche ich unter Erfahrung – demjenigen wird es nicht zur Freude gereichen.

    Euch alle grüßt Ute, die jetzt fleißig weiter Umzugskartons packt!

  9. Stefan BlohmNo Gravatar sagt:

    Also, man schützt, was einem wertvoll ist und was einen ausmacht. Wenn meine “tollen” Unterlagen meine wesentliche Leistungen sind, muss ich eben die schützen. Mich macht aber meine Leistung (besser nach HPZ: meine Wirkung) aus und die kann doch eh keiner kopieren.

    Milton Erickson hat – gerichtet an die Adresse der NLPler – gesagt: “They wanted me in a nutshell, now they have the nutshell.” :-)

    Ich habe schon viele Kopien von HPZs Unterlagen gesehen inklusive des kompletten Look and Feel der Homepage. Und? Hat´s den Leuten genützt? Nein, das ist nur peinlich.

    Ich freue mich, daß HPZ (und auch Peter Kleylein) so viele Unterlagen großzügig weitergeben. Das hilft mir und ich muss nicht alles neu erfinden. Und wenn ich die Sachen verändere, steht meist dabei, was einmal die Quelle war.

  10. @Tobias: Ich fühl mich jetzt mal angesprochen. ;-)
    :eek: Wo liest Du denn da eine Klageandrohung? Du meine Güte, nein. Es ist genau so gemeint: Mit netten Worten sagen, man möge es lassen oder eine Quelle nennen. Kein Auffahren von Drohungen, Waffen oder gar Klagen. Ist viel zu anstrengend und hinterläßt nur Verlierer auf beiden Seiten.

  11. @ Tobias
    Da muss ich dagegen halten. Es hat zwar schon sein Gutes, wenn gute Ideen frei fliessen dürfen. Es hat aber kein Gutes, wenn sich jemand an fremden Ideen bereichert. Wenn sich alle ethisch korrekt verhalten würden, würde es das Copyright Gesetz gar nicht brauchen und ich wäre der erste, der das toll fände. Ein ehemaliger Klavierschüler von mir ist seinerzeit mit einer Eigenkomposition im House of Blues in Hollywood aufgetreten. Blöderweise hatte er es nicht angemeldet, was dann ein anderer für ihn übernahm… und mit dem Song Geld verdiente. Es war zwar blöd von meinem Schüler, aber dennoch verwerflich vom Songdieb.

  12. TobiasNo Gravatar sagt:

    @Michael: Ich habe es persönlich bislang mit zwei solchen freundlichen Unterlassungsklage-Schreiben wider jeden Sinn und Verstand zu tun gehabt, als ich noch in der BRD gelebt habe. Deswegen -und auch weil ich immer wieder Haarsträubendes von diesem Unterlassungsklage-Unwesen mitbekomme- bin ich da recht sensibel.

    Wenn ich Deine Zeilen falsch gedeutet habe, bitte ich hiermit formell um Entschuldigung.

    @Beat: Gratulation an Dich und Deinen Schüler. Wenn ich es richtig sehe, wäre Dein Schüler wahrscheinlich ohne die staatlichen Gesetze viel erfolgreicher gewesen, da er das Original ist und qualitativ vermutlich besser ist als der Kollege, der sich das Stück von Deinem Schüler unter dem “Schutz” des Apparats unter den Nagel gerissen hat. Ich kann da nur für mich sprechen: Einen chinesischen Nachbau eines Audis würde ich nie fahren wollen, auch wenn er halb so teuer wäre, genauso wenig wie ich ein HPZ-Seminar eines Amateurs besuchen würde, selbst wenn es die identischen Unterlagen wären (die im Übrigen auch gute Ideen anderer enthalten). Auch die Sonntagskantaten eines J.S. Bach hätte ich mir lieber im Original angehört als am Sonntag darauf von den Nachspielenden.

    Und was das fremde Bereichern angeht:
    Der Staatsapparat ist stets der erste, der sich an fremden Eigentum vergreift, nämlich dadurch, dass er illegitimerweise an jedem Tonträger, Buch etc. eine beliebige Steuer abgreift ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Und das Business, was von den Copyright-Gesetzen am meisten profitiert, ist das Anwaltsbusiness.

  13. Tobias:
    “Ohne eine Gegenleistung” stimmt so nicht. Erstens ist eine Urheberrechtsanmeldung für einen Song kostenlos und zweitens erhält man immer am Ende des Jahres eine Überweisung der Tantiemen. Die Suisa im CH-Fall erhebt Gebühren vom Veranstalter und behält dann durchaus etwas für sich, aber das ist mir persönlich egal, denn sie erheben wann, wo und wie oft meine Songs gespielt werden und bezahlen dann entsprechend. Ein Freund von mir hatte mal die Kompositionsrechte eines Songs der für ein TV Werbespot, der zur Prime Time lief, jeden Tag mehrmals. Nach einem Jahr erhielt er die Tantiemen, die sich auf über 2 Millionen Schweizer Franken beliefen. Man kann also nicht sagen, dass da im Hintergrund nichts läuft und keine Leistung erbracht wird. Jetzt erklär mir mal, wie dieser Komponist zu seinem Geld gekommen wäre, ohne diesen Apparat? Eventuell hätte er gar nicht gewusst und nie erfahren, dass seine Komposition für ein Waschmittel oder was es auch immer war, benutzt wurde.

  14. TobiasNo Gravatar sagt:

    @Beat

    Def. Steuer: „Gegenleistungslose Zwangsleistung in Geld an einen Träger öffentlicher Gewalt“ (© :-) Prof. Dr. U. Meyer, Bamberg)

    Ist doch wunderbar, wenn ein Genie für eine herausragende Komposition einen angemessenen Gegenwert von ein paar Millionen erhält. Was ich mich frage: Wie viel Apparat ist angemessen? Und wo wäre die Menschheit heute, wenn alle Information und alles Wissen der Welt frei, gratis und ohne besondere Schutzrechte bereits vor 100 Jahren in einem Web 5.0 für jedermann verfügbar gewesen wäre? Und wären dann alle Kunstgenies und Wissensarbeiter arm?

    Im Übrigen gönne ich wirklich jedem seine 2 Millionen – das ist ja manchem sein Ganzes :-) .

    Schöns Wuchenändi

  15. KlausNo Gravatar sagt:

    Passend zum Thema habe ich gerade ein Abmahnung von Gettyimages in der Post, für ein Bild auf meiner Webseite. Diese ist mit einen Joomla-Template erstellt worden. Mein Anwalt meint das zur Zeit viele Stress haben die ihre Seite mit Joomla Templates erstellt haben. Scheint eine Art von Geschäftsmodell zu sein, erst die Bilder als Template in einer Open-Source-Community zu verbreiten und dann…
    Also achtet auf den Ursprung eurer Bilder im Web.

  16. @Tobias:
    Nur weil der Prof. Dr. ist, muss er ja nicht recht haben, oder? Und “gegenleistungslos” stimmt bei den Steuern auch nicht.

  17. TobiasNo Gravatar sagt:

    @Hans-Peter
    Nein, der Titel hat nichts zu bedeuten. Du könntest es aber mit diesen Angaben nachrecherchieren. “U. Meyer” gibt’s sonst sicher 1000fach im Web.

    Was die Gegenleistung angeht, sehe ich es eben anderes als ihr zwei: Bspw. wandert die beliebig erhobene und zweckungebundene Märchensteuer über ein auf die Unternehmer abgewälztes Inkasso-System in einer grossen Topf. Finanziert werden damit zunächst die Steuereinnehmer und -verwalter etc. und im folgenden dann zumeist mir völlig fremde Zwecke wie z.B. die Banken-Bailouts. Dass ein paar Brosamen für Schulen & Strassenbau übrigbleiben, ist geschenkt.

  18. Ivan BlatterNo Gravatar sagt:

    Die Teilnehmer an meinen Seminar können natürlich mit dem Gelernten tun und lassen, was sie wollen.

    Da ich auf meinen Folien idR ein Bild und vielleicht ein Wort stehen habe, erstelle ich für sie sogar ein Handout, das den Namen auch verdienst hat. Am Ende haben sie also eine Art E-Book in der Hand.

    Ich vertraue da den Menschen. Wen einer diese Situation ausnützen will, dann tut er das auch, wenn ich ihm “verbiete”, das Gelernte weiter zu nutzen.

    Ich denke, das Leben ist ein Geben und Nehmen. Am Schluss ist es wieder ausgeglichen. Aus diesem Gedanken heraus führe ich auch meinen Blog.

  19. Grad auf dem Gebiet von NLP und Hypnose sind schon so viele Räder erfunden, abgeschraubt und neu bereift worden, dass es fast unmöglich ist etwas komplett Neues zu kreieren.
    Manche Dinge sind halt so wie sie sind. Und deshalb bekommen auch meine Seminar-Teilnehmer alles Material zur freien Verwertung – und oft noch viel mehr. Dieses viel mehr erzeugt mega positive Resonanz bei meinen Teilnehmern und Klienten. Da habe ich zwei gute Vorbilder von denen ich in der Hinsicht dazugelernt habe. Danke Hans-Peter und Peter!

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