Deutschlands Verteidigungsminister ist jung, attraktiv, reich und adlig. Außerdem scheint er treu zu sein und seine Frau zu lieben. Was tut man da als politischer Gegner? Man sucht das Haar in der Suppe, bis man es findet. Bei Guttenberg sind es offensichtlich einige Textpassagen in seiner Doktorarbeit, die er nicht als Zitate gekennzeichnet hat.
Wie schön, dass man mal wieder vom politischen Tagesgeschäft ablenken und etwas Boulevard-Journalismus genießen kann, oder? Da ging es einem zu gut, und jetzt machen wir ihn fertig. Schöne, neue Welt!
Ich habe politisch das Heu auch nicht auf der gleichen Bühne wie Guttenberg, aber ich möchte Folgendes zu bedenken geben:
- Wenn wir diesen Schmutzkampagnen Aufmerksamkeit schenken, müssen wir uns nicht wundern, wenn in zehn Jahren keiner mehr Politik machen will, oder dann nur so abgebrühte Burschen wie Silvio Berlusconi. Deutschland hat nicht verstanden, warum Horst Köhler letztes Jahr zurücktrat. “Sensibelchen” hieß es da. “Mimöschen, nicht geeignet für die Politik.” Also, so ist das, man darf keine Gefühle haben als Politiker? Man muss ein kalter Arsch sein oder was?
- Wenn wir auf 40 Jahre zurück alle Doktorarbeiten untersuchen würden, möchte ich nicht wissen, wie viele ihren Titel wegen Plagiats oder wissenschaftlicher Bedeutungslosigkeit ablegen müssten.
- Wäre es nicht an der Zeit, diesen alten Titelzopf endlich abzuschaffen? Ich kenne so viele Volltrottel, die einen (staatlich abgesegneten und akkreditierten) Doktortitel tragen, dass es eine Farce ist, diese Zweiklassengesellschaft aufrecht erhalten zu wollen. Wenn man intensiv darüber nachdenkt, kommt man sich wirklich vor wie im Mittelalter.
Geht es Euch auch so?