Falls jemand nicht wissen sollte, was mit dem Begriff “Web 2.0″ gemeint ist, hier eine einfache Erklärung. “Web 2.0″ ist nicht etwa eine Software, obschon der Begriff absichtlich die Nomenklatur von Programm-Versionen verwendet. Er bedeutet die zweite Phase des World Wide Web, mit folgenden Merkmalen:
- Jeder ist sein eigener Verleger, und zwar sowohl im Print-Bereich (Homepages, Blogs, soziale Netzwerke) wie auch im Audio- (Podcasts auf iTunes und anderen Portalen) und im Video-Bereich (Youtube)
- Die Portale sind interaktiv, das heißt, jeder darf seinen Senf zu allem geben, falls gewünscht, auch anonym
Und nun meine Frage: Wem dient das?
Meine Antwort: Ein Teil davon dient allen und ist ein Segen für die Menschheit. Ein anderer Teil ist unnötig und wird dafür sorgen, dass in einer dritten Phase des WWW eine gewisse Ermüdung und unnötige Verschleißerscheinungen eintreten werden.
Dass wir nicht mehr auf die Gunst von Verlegern angewiesen sind, ist ein Segen. Wer möchte schon auf die vielen tollen Podcasts und die Vielfalt im Videosektor verzichten! Wer begrüßt nicht die Möglichkeit, eine verpasste Fernsehsendung auf Youtube oder via Podcast konsumieren zu dürfen!
Auch die Anonymität ist in Ländern, wo die Menchenrechte nicht geachtet werden, oder wo Interessen gewisser Lobbys das politische Geschehen bestimmen (wie leider auch bei uns immer noch), eine wunderbare Sache. Nur dank ihr wird es möglich sein, Tabuthemen aufzudecken und verkrustete Strukturen wie das Bankgeheimnis und das Festhalten an Steuerparadiesen zu sprengen.
Was allerdings in meinen Augen unnötig ist: Dass jeder meint, er müsse eine Meinung haben und diese auch kundtun. Wenn ich jeden Tag unmoderierte Kommentare unter Youtube-Videos lesen würde, verlöre ich sämtliche Hoffnung in die Menschheit. Und auch bei Facebook tummeln sich Menschen, von denen ich nur dank Fernseh-Talkshows wusste, dass sie überhaupt existieren. Selbst dann, wenn die Netiquette, also die Internet-Höflichkeit eingehalten wird, ist das doch kognitiv eher suboptimal, wenn einer meint, ein Kommentar wie “Wow”, “du bist so süß” oder “schön von dir zu hören” sei es wert, dass er gepostet und von Hunderten gelesen werde.
Das ist der Grund, warum ich in meinem Blog die Kommentarfunktion gesperrt habe. Bei Facebook geht das leider nicht. Doch ich bin fest entschlossen, belanglose Kommentare zu löschen. Bei mehrfachem Zuwiderhandeln gegen ein minimales Intelligenz-Niveau wird der entsprechende Nutzer gesperrt. Ein weiterer Vorteil des Web 2.0
Sollte jemand auf die Idee kommen, mir Zensur vorzuwerfen: Ja, ich geb’s zu, ich zensiere Dummheit, und ich trage die volle Verantwortung dafür.